356 Gruppe III. Chemische Industrie.
langten oder durch später hinzutretende süsse Wasser wieder gelöst
wurde.
Bei Verarbeitung der Mutterlaugen nach Hermann undBalard 1 )
werden durch fractionirte Verdampfung und Krystallisation die einzel
nen Bestandtheile nach einander möglichst getrennt ausgeschieden und
verarbeitet, während die Stassfurter Fabrikation es dagegen mit einem
sich fertig vorfindenden Gemenge der verschiedenen Salze zu thun hat.
Als theoretische Grundlagen der Fabrikation lassen sich nun kurz
die nachfolgenden bezeichnen:
1. Die leichtere Löslichkeit des Chlorkalium - Chlormagnesium-
Doppelsalzes (Carnallit) im Vergleich zu Steinsalz und Kieserit.
2. Die Zersetzbarkeit des Carnallits durch Wasser unter Aus
scheidung von Chlorkalium und Löslichwerden des Chlormag-
nesiums.
3. Die Löslichkeit des Carnallits in überschüssiger Chlormagne
siumlösung, beziehungsweise die Bildung von Carnallit aus
Chlorkalium bei starkem Ueberschuss von Chlormagnesium und
die sehr geringe Löslichkeit von schwefelsaurem Magnesium
und von Chlornatrium in viel Chlormagnesium enthaltenden
Laugen;
4. endlich die im Vergleich zum Chlorkalium verhältnissmässig
grössere Löslichkeit des Chlornatriums in kaltem Wasser.
Auf diese Thatsachen gestützt sind jetzt in Stassfurt hauptsäch
lich zwei Verarbeitungsweisen der Abraumsalze im grossen Betriebe
üblich 2 ) und zwar:
I. Die ältere Methode durch Auflösen des Rohsalzes in Wasser,
welches durch direct einströmenden Dampf erhitzt wird, und
II. Auflösen des Rohsalzes in einer schon vorher möglichst vorge-
') Vergl. A. W. Hofmann: Reports by the Juries 48, ferner auch den
Aufsatz von A. Würtz über die Ausnutzung der Mutterlaugen der Salz
gärten in einem separaten Theile dieses Berichtes.
2 ) Kleine Modificationen in Details müssen hier unberücksichtigt bleiben
und ebenso solche Methoden, welche sich als praktisch undurchführbar er
wiesen, wie z. B. das in vielen Lehrbüchern noch angeführte Verfahren von
Vorster & Grüueberg, Carnallit, Kieserit und Steinsalz in den vorher
zerkleinerten Abraumsalzen durch Setzmaschinen (nach Art der Sievers-
schen Cokewaschmaschinen) zu trennen. Dieses Verfahren hat sich trotz der
darauf verwendeten Kosten und Mühen als für den Grossbetrieb undurchführbar
erwiesen, da ganz abgesehen davon, dass die Differenzen im Volumgewicht der
drei genannten Mineralien zu unbedeutend sind, um eine irgendwie scharfe
Scheidung zu gestatten, deren Lagerung so durchsetzt und unregelmässig ist,
dass die der Setzarbeit vorangehende Zerkleinerung die einzelnen Salze nicht
in einer für (die Scheidung geeigneten Weise freilegt. Das Verfahren von
Foelsch, welches 1872 patentirt wurde, und ebenso das von Dr. Schräder
patentirte — Abscheidung des Chlorkaliums durch Salzsäure — haben eben
falls nur historisches Interesse.