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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Barium. 
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Bleiweiss rivalisiren zu können. Die Güte des Barytweiss, die Feinheit 
des Korns, hängt vorzüglich von der Verdünnung der Chlorbariumlösung 
und der Schwefelsäure ab. Es hat sich als vortheilhaft herausgestellt, 
eine Chlorbariumlösung, deren Concentration 24 bis 2o°B. beträgt, mit 
verdünnter Schwefelsäure von 30° B. in der Kälte zu fällen. Man er 
hält dann eine Salzsäurelösung von 6°B. Der feine schwere Nieder 
schlag von Bariumsulfat wird so lange gewaschen, bis das Waschwasser 
nicht mehr sauer reagirt. Man lässt schliesslich abtropfen und verpackt 
das Permanentweiss in feuchtem Zustande. Die Verwendung des Blanc 
fixe wird immer vielseitiger. Es ist ein vorzügliches Material zur 
Fabrikation von weissen Glanz- und Kartenpapieren. Wie als Maler 
farbe, so hat es auch in diesem Fabrikationszweige das giftige Kremser 
Weiss (Bleiweiss) verdrängt. Auch zur Herstellung papierener Herren- 
und Damenkragen findet es, namentlich in Amerika, ausgedehnte An 
wendung. Ausserdem dient es als F üllstoif für Papier, namentlich 
für schöne Schreibpapiere ’)• 
Wird zu einer Chlorbariumlösung eine gesättigte siedende Lösung 
von Natriumnitrat gefügt, so scheidet sich Bariumnitrat in kleinen 
Krystallen ans. Eine Lösung dieses Salzes kann man durch Schwefel 
säure zersetzen und so neben Bariumsulfat Salpetersäure ohne Destillation 
gewinnen. Der Barytsalpeter vermag ferner den gewöhnlichen Salpeter 
fm Schiesspulver zu ersetzen. Er ist nicht hygroskopisch und detonirt 
mit brennbaren Körpern nur langsam. Wegen seines Gewichts und 
seiner Verbrennungsrückstände ist ein solches Pulver nur als Spi eng 
pulver zu gebrauchen. Es ist von HerrenEsse 1 en s undW ynantsuntei 
dem Namen „Saxifragin“ in Belgien ein geführt worden. Dasselbe besteht 
aus 76 Thlu. Bariumnitrat, 22 Thln. Holzkohle und 2 Thln. Kalisalpeter. 
Durch Fällen einer reinen Chlorbariumlösung mit Ammoniumcar 
bonat oder Soda erhält man reines Bariumcarbonat als schweren weissen 
Niederschlag, der sich leicht durch Decantation von der Salzlösung be 
freien lässt. Diß Herren Daudenart und Verbert 2 ) zersetzen die 
Chlorbariumlösung mit Magnesiumcarbonat unter gleichzeitigem Eiu- 
leiten von Kohlensäure. Das reine Bariumcarbonat findet in der ana 
lytischen Chemie häufig Anwendung. 
Durch Behandeln einer Chlorbariumlösung mit kaustischem Natron 
erhält man Bariumhydrat, Aetzbaryt, über dessen technische Bedeutung 
weiter unten noch einige Worte folgen mögen. 
Neben dem Chlorbarium ist ein Hauptausgangspunkt zui Gewin 
nung von Barytverbindungen das Schwefelbarium. Man stellt es 
im Grossen durch Reduction des Schwerspaths mittelst Kohle odei 
kohlenstoffhaltiger Substanzen dar. Die Reduction gelingt leichter, 
■*) Vergl. einen Aufsatz des Hrn. Fabrikbesitzer Beringer in den Ver 
handlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleisses in Preussen, 
1871, 138. 2 ) Daudenart u. Verbert, Engl. Pat. vom 14. März 1873.
	        
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