Barium.
519
Bleiweiss rivalisiren zu können. Die Güte des Barytweiss, die Feinheit
des Korns, hängt vorzüglich von der Verdünnung der Chlorbariumlösung
und der Schwefelsäure ab. Es hat sich als vortheilhaft herausgestellt,
eine Chlorbariumlösung, deren Concentration 24 bis 2o°B. beträgt, mit
verdünnter Schwefelsäure von 30° B. in der Kälte zu fällen. Man er
hält dann eine Salzsäurelösung von 6°B. Der feine schwere Nieder
schlag von Bariumsulfat wird so lange gewaschen, bis das Waschwasser
nicht mehr sauer reagirt. Man lässt schliesslich abtropfen und verpackt
das Permanentweiss in feuchtem Zustande. Die Verwendung des Blanc
fixe wird immer vielseitiger. Es ist ein vorzügliches Material zur
Fabrikation von weissen Glanz- und Kartenpapieren. Wie als Maler
farbe, so hat es auch in diesem Fabrikationszweige das giftige Kremser
Weiss (Bleiweiss) verdrängt. Auch zur Herstellung papierener Herren-
und Damenkragen findet es, namentlich in Amerika, ausgedehnte An
wendung. Ausserdem dient es als F üllstoif für Papier, namentlich
für schöne Schreibpapiere ’)•
Wird zu einer Chlorbariumlösung eine gesättigte siedende Lösung
von Natriumnitrat gefügt, so scheidet sich Bariumnitrat in kleinen
Krystallen ans. Eine Lösung dieses Salzes kann man durch Schwefel
säure zersetzen und so neben Bariumsulfat Salpetersäure ohne Destillation
gewinnen. Der Barytsalpeter vermag ferner den gewöhnlichen Salpeter
fm Schiesspulver zu ersetzen. Er ist nicht hygroskopisch und detonirt
mit brennbaren Körpern nur langsam. Wegen seines Gewichts und
seiner Verbrennungsrückstände ist ein solches Pulver nur als Spi eng
pulver zu gebrauchen. Es ist von HerrenEsse 1 en s undW ynantsuntei
dem Namen „Saxifragin“ in Belgien ein geführt worden. Dasselbe besteht
aus 76 Thlu. Bariumnitrat, 22 Thln. Holzkohle und 2 Thln. Kalisalpeter.
Durch Fällen einer reinen Chlorbariumlösung mit Ammoniumcar
bonat oder Soda erhält man reines Bariumcarbonat als schweren weissen
Niederschlag, der sich leicht durch Decantation von der Salzlösung be
freien lässt. Diß Herren Daudenart und Verbert 2 ) zersetzen die
Chlorbariumlösung mit Magnesiumcarbonat unter gleichzeitigem Eiu-
leiten von Kohlensäure. Das reine Bariumcarbonat findet in der ana
lytischen Chemie häufig Anwendung.
Durch Behandeln einer Chlorbariumlösung mit kaustischem Natron
erhält man Bariumhydrat, Aetzbaryt, über dessen technische Bedeutung
weiter unten noch einige Worte folgen mögen.
Neben dem Chlorbarium ist ein Hauptausgangspunkt zui Gewin
nung von Barytverbindungen das Schwefelbarium. Man stellt es
im Grossen durch Reduction des Schwerspaths mittelst Kohle odei
kohlenstoffhaltiger Substanzen dar. Die Reduction gelingt leichter,
■*) Vergl. einen Aufsatz des Hrn. Fabrikbesitzer Beringer in den Ver
handlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleisses in Preussen,
1871, 138. 2 ) Daudenart u. Verbert, Engl. Pat. vom 14. März 1873.