Barium.
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von Priestley, Gay-Lussac undThenard nachgewiesene Eigenschaft
des Bariumcarbonats, in der Rothglühhitze beim Darüberleiten von
Wasserdämpfen seine Kohlensäure zu verlieren und sich in Hydrat zu
verwandeln. — Der Witherit wird — wenn möglich in Form von kleine
ren Stücken, nicht als Pulver — in thönerne (Gas-) Retorten gebracht,
welche in einem Flammofen eingemauert sind und mit einem Dampf
generator communiciren. Wenn die Retorten rothglühend sind, wird
Wasserdampf zugelassen. Die entweichende Kohlensäure kann man
zu technischen Zwecken verwenden. Der Inhalt der Retorten wird in
Auslaugapparaten, wie sie in der Sodafabrikation gebraucht werden,
mit Wasser erschöpft. Der ungelöste Rückstand kommt wiedei in die
Retorten.
Die Darstellung des Aetzbaryts aus Schwerspath geschieht nach
Hrn. Lenoir in einer von der bisher üblichen abweichenden Weise.
Zunächst wird der Schwerspath zu Schwefelbarium reducirt. Es
soll nur Einfachschwefelbarium gebildet werden. Bei der Reduction
mit Kohle entsteht aber stets auch Tri- und Pentasulfid. Die Bildung
dieser höheren Schwefelungsstufen wird vermieden, wenn neben der
Kohle auch Wasserstoff zur Reduction verwendet wird. Deshalb wendet
Hr. Lenoir Kohlen nebst Kohlenwasserstoffen zur Reduction an. Er
mischt das Schwerspathpulver innig mit 20 bis 25 p. G. Asphaltpech
(aus den Theerfarbenfabriken) und glüht die Mischung auf der Sohle
eines Flammofens. Vielleicht sind auch gewisse nicht verwendbare
Producte der Petroleum- und Mineralölindustrie zu benutzen.
Sodann wird das Schwefelbarium in Bariumcarbonat verwandelt.
Die calcinirte Masse wird aus dem Flammofen in Thonretorten gebracht
und dort durch Darüberleiten feuchter Kohlensäure von allem Schwefel
wasserstoff befreit. Hierbei darf nicht bis zum Rothglühen erhitzt
werden, da sonst Wasser zersetzt und das Schwefelbarium unter Frei
werden von Wasserstoffgas in Bariumsulfat übergeht.
Schliesslich wird das entstandene Bariumcarbonat nach der vorhin
beschriebenen Methode durch Wasserdampf in Aetzbaryt übergeführt.
Hr. Lenoir empfiehlt noch sehr das folgende Verfahren zur Dar
stellung von Aetzbaryt aus Schwerspath. Wird ein Gemenge von
Schwerspathpulver, Kreide und Kohle (Coke, Pechasphalt, Sägespähne,
Steinkohlenklein) in Tiegeln geglüht, so erhält man beim Auslaugen
der caleinirten Masse Barythydrat, und unlösliches Schwefelcalcmm
bleibt zurück. Es stellt sich dies Verfahren der Godin’schen Darstel
lungswese von Chlorbarium an die Seite.
Ein eigenthümliches Verfahren zur Darstellung von Aetzbai \ t
beschreibt Hr. Riviere in Rouen 1 )- Gröblich gepulverter Schwerspath
l) Riviere, Bull, de la soc. de industr. de Mulhouse 1866, 438; Dingl.
pol. J. CLXXX1II, 291; Wagn. Jaliresher. 1867, 260.