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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
wird mit 1 / s seines Gewichts Steinkohlengrus gemengt (nach Seheurer- 
Kestner zweckmässiger mit ’/ 5 ) das Gemenge in feuerfesten Retorten 
zur Dunkelrothglutk erhitzt. Die sich entwickelnden Gase, Kohlen 
wasserstoffe, Kohlenoxyd, Kohlensäure, werden in rothglühende Cylin- 
der geleitet, die mit Schwerspathstücken angefüllt sind. Dort gehen die 
Kohlenwasserstoffe und das Kohlenoxyd unter Reduction einer entspre 
chenden Menge Barimnsnlfats in Kohlensäure und Wasser über. Diese 
so gewonnene Kohlensäure wird nun dazu benutzt, das durch Reduc 
tion des Schwerspaths erhaltene und in Lösung gebrachte Schwefel 
barium zu zersetzen. Der dabei entweichende Schwefelwasserstoff wird 
verwerthet. Das gefällte Bariumcarbonat, welches nach Scheurer- 
Kestner schwefelhaltig ist, wird nach dem Auswaschen und Trocknen 
mit 10 p. C. gepulverter Steinkohle gemengt und das Gemenge in Gas 
retorten reducirt. Die sich entwickelnden Gase werden wie vorhin zur 
Reduction von Schwerspath benutzt. Nach Riviere’s Kostenberech 
nung kommen 50 Kg nach dieser Methode dargestellten Aetzbaryts 
(wasserfrei) auf 5 Frcs. 33 Cent, zu stehen. 
Die Herren Daudenart und Verbert 1 ) in Brüssel stellen eben 
falls Aetzbaryt durch Glühen von kohlensaurem Baryum mit Kohle dar. 
Das Carbonat gewinnen sie in eigenthümlicher Weise. Sie versetzen 
eine Chlorbariumlösung mit Magnesiahydrat und leiten alsdann in die 
Mischung Kohlensäure bis zur völligen Fällung des Baryts. Diese Dar 
stellung bildet die Regeneration von Aetzbaryt, der in der Wollwäscherei 
verwendet ward. Die Abflusswässer derselben werden mit Aetzbaryt 
gefallt; die Lösung wird auf Potasche verarbeitet, der Niederschlag 
wird zum Zweck der Abscheidung der Fettsäure mit Salzsäure behan 
delt und die jetzt entstandene Chlorbariumlösung, wie eben beschrie 
ben, weiter behandelt. In ähnlicher Weise kann Aetzstrontian rege- 
nerirt werden. 
Nach einem englischen Patent wandeln die Herren Cobley und 
Poyntner 2 ) das durch Reduction von Schwerspath erhaltene Schwefel 
barium durch Erhitzen mit Kohlenwasserstoffen in Aetzbaryt um. Das 
Schwefelbarium wird mit ungefähr einem Viertel seines Gewichtes 
„Kteosotöl (der schwerere Theil des Theerdestillats) vermengt und 
das Gemenge bei ziemlich hoher Temperatur erhitzt. Die entweichen 
den brennbaren Gase werden zur Feuerung der Retorten bei dieser 
Operation, und der Pfannen, in welchen die Aetzbarytlösung einge 
dampft wird, benutzt. Als Rückstand in der Retorte bleiben Kohle 
und Aetzbaryt; die erstere dient zur Reduction des Bariumsulfats. 
Die Anwendung des Baryts ist eine mannichfache. So stellt man 
') E - T - Hughes, Engl. Pat. für Daüdenart und Verbert; Ber. 
ehern. Ges. 1874, 742. 2 ) T. Cobley und J. E. Poyntner, Ber. chem. 
Ges. 1874, 1028.
	        
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