520 Gruppe III. Chemische Industrie.
Kalksalz verträgt nicht die zum Verbrennen des Empyreuma nöthige
Temperatur, ohne sich zum Theil zu zersetzen. Das Natronsalz verträgt
zwar ohne Zersetzung eine höhere Temperatur, aber es schmilzt
in der Hitze und erschwert dadurch ungemein die Zerstörung des Empyreumas.
Auch setzt sich das durch Zersetzung der Brenzstoffe entstandene
kohlensaure Natron 1 immer mit den empyreumatischen Säuren
um, und diese Salze bedürfen zu ihrer Zerstörung einer so hohen
Temperatur, dass eine theilweise Zersetzung von essigsaurem Natron
nicht zu vermeiden ist. Alle diese Uebelstände werden vermieden
wenn, wie Hr. C. F. Richter in Berlin 1 ) vorgeschlagen hat, die Essigsäure
an Baryt gebunden wird. Der Baryt ist eine so starke Base,
dass das essigsaure Salz die Rösttemperatur gut verträgt. Ausserdem
schmilzt das Bariumacetat nicht. Zur Darstellung desselben wird fein
gemahlener Witherit so lange in Holzessig eingetragen, als noch Aufbrausen
stattfindet. Schliesslich wird mit Aetznatron neutralisirt. Man
dampft zur Krystallisation ein, lässt die Krystalle abtropfen und röstet
sie in grossen gusseisernen Pfannen bei einer unter Rothgluth liegenden
Temperatur. Sie werden in 2 Zoll hoher Schicht unter beständigem
Umrühren so lange erhitzt, als noch brenzliche Dämpfe entweichen.
Um beim Schluss des Röstens ein zu grosses Verstäuben des trockenen
Salzes zu verhüten, ist es zweckmässig, den Krystallen etwa 2 p. C,
essigsaures Natron hinzuzufügen, indem dies Salz schmilzt und den
essigsauren Baryt etwas feucht erhält. Dasselbe erreicht man, wenn
man den Holzessig schliesslich statt mit Aetzbaryt mit Soda neutralisirt.
Die geröstete Masse wird mit Wasser ausgelaugt; beim Eindampfen
erhalt man reines Bariumacetat, aus dem sich sowohl reine Essigsäure
als andere essigsaure Salze leicht darstellen lassen.
Eine wichtige Anwendung findet der Baryt in der Zuckerindustri e.
Die Läuterung des Rübeasaftes mit Kalkmilch beruht darauf, dass die
den Zucker begleitenden fremden Stoffe, Säuren und besonders die
schädlichen stickstoffhaltigen Substanzen, in unlöslicher Form abgeschieden
werden. Das Umgekehrte ist bei der Läuterung mit Baryt
der Fall. Der Rohrzucker geht nämlich mit Baryt eine selbst bei
Siedhitze in Wasser unlösliche Verbindung, Bariumsaccharat, C 12 II 22 O n ,
BaO, ein. Man kann so allen Zucker aus der Melasse ausfällen, den
Zuckerbaryt dann in Wasser suspendiren und durch Einleiten eines
Kohlensäurestroms zersetzen. Der von der reinen Zuckerlösung getrennte
kohlensaure Baryt wird wieder auf Aetzbaryt verarbeitet. Ein
derartiges Verfahren ist schon vor etwa 15 Jahren für die Herren Dubrunfaut
und de Massy patentirt worden. Im letzten Jahrzehnt hat
man sich lebhaft mit dieser Methode beschäftigt. Nach Hrn. G. L u n ge 2 )
*) Richter, Ding], pol. J. CLXXXII, 174. 2 ) Lunge, Ding], pol, J.
CCII, 164.