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Barium.
verfährt man in nordfranzösischeu Fabriken folgendermaassen. Man
fügt zu einer siedendheissen concentrirten Barytlösung in kleinen
Kübeln die nöthige Menge Melasse. Es ist wesentlich, dass man nicht
umgekehrt die Barytlösung zur Melasse giesse. Die Masse erstarrt
rasch zu einem Brei. Die Kübel werden dann in eisenblechene Gefässe
mit doppeltem Boden entleert. In diesen tropft die von allem krystalli-
sirbaren Zucker befreite Melasse ab. Der zurückbleibende Zuckerbaryt
wird mit Wasser gewaschen, bis dieses ganz farblos abläuft. Alle
fremden löslichen Salze, sowie eine gewisse Menge unkrystallisirbaren
Zuckers werden auf diese Weise entfernt. Der Zuckerbaryt wird dann
in grösseren Gefässen durch Kohlensäure, wölcbe durch Gährung der
Melasse in grosser Menge erzeugt wird, zersetzt. Durch ein eigenes
Decantirverfahren wird die Zuckerlösung von dem kohlensauren Baryt
getrennt. Letzterer wird durch Auspressen von noch anhängender
Zuckerlösung befreit, mit 60 p. C. Kohlenklein gemischt und durch
Erhitzen zur Weissgluth ohne Anwendung von Wasserdampf (s. oben)
in Aetzbaryt zurückverwandelt. Die Zuckerlösung kann ohne Weiteres
zur Krystallisation eingedampft werden. Die Filtrate von dem Zucker
baryt enthalten viel überschüssig zugesetzten Baryt, der durch ^ er-
mischen der Waschwasser mit dem schwefelsäurehaltigen Schlempe
wasser als Sulfat niedergeschlagen wird. Die Flüssigkeit kann auch
auf kohlensauren Baryt verarbeitet *) und wegen der übrigen dann
enthaltenen Salze als kräftiges Düngmittel verwerthet werden 2 ).
Nach Versuchen von Hrn. C. Stamm er 3 ) kann man die Zucker
barytlösung durch 12stündiges Kochen mit Kalk, dem etwas Schwefel
säure zugesetzt ist, und Filtriren durch lange Röhren, die mit Gyps-
stücken angefüllt sind, zersetzen, und so einen absolut barytfreien
Zucker darstellen.
Nach einer Notiz von Ilrn. Lagrange“) wird von demselben der
mit Kalk geläuterte Zuckersaft durch Ammoniumphosphat entkalkt,
wobei Ammoniak entweicht. Zur Wiederherstellung der nöthigen
Alkalinität, zur Zersetzung der Alkalisulfate und Fällung mehrerer
organischen Säuren wird dann Baryt oder Barytsaccharat hinzugefügt.
Auf diese Weise wird eine schädliche Gährung vermieden und die
Krystallisation des Zuckers erleichtert. Dies Verfahren empfiehlt sich
namentlich sehr für die Rohrzuckerfabriken, wo die Kalksalze und die
Veränderung des Zuckers so häufig zu Belästigungen und Verlusten
führen. Statt Beinschwarz und Blut wendet Hr. Lagrange beim
Raffiniren gleichfalls phosphorsaures Ammoniak und Baryt an.
i) c. Stummer, Dingt pol. J. CLXXVI1I, 230. 2 ) L. Pierre u. R.
Massy, Zeitschrift für Rühenzuckerindustrie 1867, 85. 3 ) A. a. O.
4) Lagrange, Compt. rencl. 1873, LXXVII, 1245; Bull, de la Soc. chim.
de Paris XXI, 140.