Barium.
529
Laufe der nächsten Dekade Unternehmungen von durchschlagendem
Erfolg folgen mögen. Wir können nach Ablauf dieser Periode consta-
tiren, dass man in dieser Richtung nicht unthätig gewesen ist. Es ist
schon früher auf die Fabrikation von Bar yt glas hier und da die Aufmerk
samkeit gelenkt worden, so von Berthier im Jahre 1830, von Baudri-
mont und Pelouze (1833), von Bontemps; Döbereiner hat auch ein
Cölestinglas hergestellt. In neuerer Zeit theilt Hr. Je an ne in Paris 1 )
mit, dass er zur Darstellung von Fenster- und Flaschenglas schwefel
sauren Baryt in erheblicher Menge verwende. Der Baryt ersetzt hier
einen Theil des Natrons. Die barythaltigen Gläser bilden ein glän
zendes Material, schmelzen leichter als die mit schwefelsaurem Natron
allein dargestellten, und sind, weil sie weniger Alkali enthalten, billiger.
Die Sätze zu den von Jeanne angefertigten Gläsern enthalten z. B.
Schwefelsäuren Baryt ......
Schwefelsaures Natron
Sand
Coke- oder Holzkohlenpulver . .
Kaolin
Kalkhydrat
Kohlensäuren Kalk
100
35
100
6-1
2
1
100
26-6
83
9'6
4
1-6
100
12
66
5-1
5-3
1
100
200
55
8'2
6-6
1-6
Durch den Zusatz von Kaolin wird die Härte des Glases erhöht.
Umfassende Versuche zur Darstellung von Barytglas sind von
Hrn. E. Benrath 2 ), Director der Glashütte Lisette bei Dorpat, ange
stellt worden. Es ist bemerkenswerth, dass der Baryt sowohl als Ver
treter von Alkali als auch als alkalische Erde in das Glas eingeführt ist.
Döbereiner hat den Baryt als Vertreter von Kalk, also an der ihm
gebührenden Stelle, dem Glase einverleibt. Dasselbe geschah auf zwei
Glashütten bei Valenciennes, welche durch Zufall oder aus Unkenntniss
Sehwerspath verschmolzen. Später ist der Baryt fast durchgängig als
Vertreter des Alkalis aufgefasst worden, wie es bei den oben erwähnten
Jeanne’schen Gläsern der Fall ist. So sagt Peligot in seinen Lcgons sur
l'art de la verrerie, das künstliche Bariumcarbonat könne die Potasche
oder Soda mit Vortheil ersetzen. Hr. Benrath hat nun die Verwend
barkeit des Baryts zur Glasfabrikation und die Frage, ob er dabei als
Alkali aufzufassen sei, systematisch geprüft. Aus seinen interessanten
Versuchen 3 ) geht das Folgende hervor. Alkali-Barytgläser, die in ihrer
Zusammensetzung guten Alkali-Kalkgläsern entsprechen, lassen sich
sowohl aus den entsprechenden Carbonaten, als auch aus den Sulfaten
3 ) Jeanne, Monit. scientif. 1868, 1042; Wagn. Jahresber. 1868, 369.
2 ) Benratb, Dingl. pol. J. CCII, 422. 3 ) Ausführlich mitgetheilt in H. E.
B enrath ’ s „Beiträge zur Chemie d. Glases“. D'orpater Doctordissertation, 1871.
Wiener WeltaussteUung. Ul. 34