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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Barium. 
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Laufe der nächsten Dekade Unternehmungen von durchschlagendem 
Erfolg folgen mögen. Wir können nach Ablauf dieser Periode consta- 
tiren, dass man in dieser Richtung nicht unthätig gewesen ist. Es ist 
schon früher auf die Fabrikation von Bar yt glas hier und da die Aufmerk 
samkeit gelenkt worden, so von Berthier im Jahre 1830, von Baudri- 
mont und Pelouze (1833), von Bontemps; Döbereiner hat auch ein 
Cölestinglas hergestellt. In neuerer Zeit theilt Hr. Je an ne in Paris 1 ) 
mit, dass er zur Darstellung von Fenster- und Flaschenglas schwefel 
sauren Baryt in erheblicher Menge verwende. Der Baryt ersetzt hier 
einen Theil des Natrons. Die barythaltigen Gläser bilden ein glän 
zendes Material, schmelzen leichter als die mit schwefelsaurem Natron 
allein dargestellten, und sind, weil sie weniger Alkali enthalten, billiger. 
Die Sätze zu den von Jeanne angefertigten Gläsern enthalten z. B. 
Schwefelsäuren Baryt ...... 
Schwefelsaures Natron 
Sand 
Coke- oder Holzkohlenpulver . . 
Kaolin 
Kalkhydrat 
Kohlensäuren Kalk 
100 
35 
100 
6-1 
2 
1 
100 
26-6 
83 
9'6 
4 
1-6 
100 
12 
66 
5-1 
5-3 
1 
100 
200 
55 
8'2 
6-6 
1-6 
Durch den Zusatz von Kaolin wird die Härte des Glases erhöht. 
Umfassende Versuche zur Darstellung von Barytglas sind von 
Hrn. E. Benrath 2 ), Director der Glashütte Lisette bei Dorpat, ange 
stellt worden. Es ist bemerkenswerth, dass der Baryt sowohl als Ver 
treter von Alkali als auch als alkalische Erde in das Glas eingeführt ist. 
Döbereiner hat den Baryt als Vertreter von Kalk, also an der ihm 
gebührenden Stelle, dem Glase einverleibt. Dasselbe geschah auf zwei 
Glashütten bei Valenciennes, welche durch Zufall oder aus Unkenntniss 
Sehwerspath verschmolzen. Später ist der Baryt fast durchgängig als 
Vertreter des Alkalis aufgefasst worden, wie es bei den oben erwähnten 
Jeanne’schen Gläsern der Fall ist. So sagt Peligot in seinen Lcgons sur 
l'art de la verrerie, das künstliche Bariumcarbonat könne die Potasche 
oder Soda mit Vortheil ersetzen. Hr. Benrath hat nun die Verwend 
barkeit des Baryts zur Glasfabrikation und die Frage, ob er dabei als 
Alkali aufzufassen sei, systematisch geprüft. Aus seinen interessanten 
Versuchen 3 ) geht das Folgende hervor. Alkali-Barytgläser, die in ihrer 
Zusammensetzung guten Alkali-Kalkgläsern entsprechen, lassen sich 
sowohl aus den entsprechenden Carbonaten, als auch aus den Sulfaten 
3 ) Jeanne, Monit. scientif. 1868, 1042; Wagn. Jahresber. 1868, 369. 
2 ) Benratb, Dingl. pol. J. CCII, 422. 3 ) Ausführlich mitgetheilt in H. E. 
B enrath ’ s „Beiträge zur Chemie d. Glases“. D'orpater Doctordissertation, 1871. 
Wiener WeltaussteUung. Ul. 34
	        
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