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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
wohnlicher Temperatur nicht ein, im Gegentheil wird Bariumcarbonat 
durch Lösungen schwefelsaurer Alkalien in Bariumsulfat verwandelt. 
Ungerer glüht nun den kohlensauren Strontian mit Kohle unter 
gleichzeitigem Durchleiten von Wasserdampf im Flammofen und rege- 
nerirt so Aetzstrontian daraus, der von Neuem zur Zersetzung von 
Natriumsulfat benutzt wird, während das Ammoniumsulfat wiederum 
zur Umsetzung von Kochsalz in Sulfat dient. An Rohmaterial ist also, 
abgesehen von Fabrikationsverlusten an Strontian etc., nur Kochsalz 
und Kalk nöthig. Ungerer will nach diesem Verfahren arbeitend, 
gute Resultate eidialten haben. 
Calcin in. 
Calciumverbindungen sind, wie am Eingänge schon hervorgeho 
ben wurde, in der Natur in reichlichster Menge verbreitet und sie fin 
den eine sehr ausgedehnte technische Anwendung. Theils werden sie ohne 
, Weiteres in unverändertem Zustande benutzt) theils erleiden sie eine 
nur mechanische Bearbeitung, theils werden sie zu Zwecken des Ge 
brauchs chemischen Processen unterworfen. Die Benutzung des koh 
lensauren Kalks als Marmor, Kalkspath, Doppelspath, Kreide, lithogra 
phischer Stein, des gebrannten Kalks, des Gypses in unverändertem 
und gebranntem Zustande ist so vielseitig und zugleich so allgemein 
bekannt, dass eine Aufzählung der verschiedenen Arten ihrer techni 
schen Verwendung an dieser Stelle nicht erforderlich scheint. Ferner 
datirt die Verwendung der Calciumverbindungen in den Gewerben 
schon von so lange her und ist so ausgebildet, dass wir kaum erwar 
ten können, während des Zeitraums der letzten zehn Jahre erheblichen 
neuen Anwendungen oder wesentlichen Verbesserungen in ihrer che 
mischen Verarbeitung zu begegnen. Indessen ist man, wie in allen 
anderen Gebieten der Technik, auch hier, in der Industrie des Kalks 
und der verwandten Körper, nicht müssig gewesen, sondern hat mit 
lebendigem Eifer mögliche Fortschritte erstrebt. Den Erfolg des 
Strebens sehen wir schon an dem zunehmenden Verbrauch und billi 
gem Preise der in Rede stehenden Materialien. 
Von allen Calciumverbindungen ist es das Calciumoxyd, der Kalk, 
welcher die ausgedehnteste Verwendung findet. Meistens gründet sich 
dieselbe darauf, dass der Kalk eine starke Base ist, welche überall 
leicht und billig zu beschaffen ist. Auch seine Eigenschaft, mit Koh 
lensäure und Schwefelsäure schwerlösliche Verbindungen zu bilden, so 
dass er durch diese Säuren leicht entfernt werden kann, ist von hohem 
Werth für seine technische Brauchbarkeit. Von seinen allgemeinsten 
und bekanntesten Anwendungen, der Bereitung von Mörtel und der 
Darstellung von Chlorkalk, ist in besonderen Abschnitten die Rede.
	        
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