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Gruppe III. Chemische Industrie.
Feuergasse ein Kost. Grössere Oefen haben nicht ein, sondern meh
rere, meist vier, Schürlöcher, und es werden dann mehrere Feuer
gewölbe gebaut, wodurch natürlich die Flamme besser vertheilt wird.
Das den Ofen bedeckende Gewölbe enthält eine Anzahl verschliessbarer
Oeffnungen, wodurch der Zug regulirt werden kann. Bisweilen wird
dieser noch durch Anbringung einer Esse vermehrt. In der Mitte des
Ofens ist in der Regel ein Stück Holz eingesetzt, durch dessen Ver
brennung nachher eine Höhlung entsteht, welche der besseren Ver-
theilung der Flamme und der Vergrösserung des Zuges förderlich ist.
Es leuchtet ein, dass der Aufwand an Brennmaterial bei diesen
Oefen ein beträchtlicher ist. Man kann zwar grosse Steine brennen,
aber die Steine können nicht eingeschüttet, sondern müssen eingesetzt
werden und für die Arbeiter ist es im hohen Grade lästig, bei einer
neuen Beschickung die Steine einzusetzen, bevor der ausgeleerte Ofen
völlig erkaltet ist. Das vollständige Erkaltenlassen aber würde, da
der Ofen geschlossen und überwölbt ist, beträchtlichen Zeitverlust ver
ursachen.
Die Oefen zu periodischem Betriebe mit kleiner Flamme haben
einen inneren Ofenraum von der Form eines Ellipsoids oder eines um
gekehrten abgestumpften Kegels. Nachdem auf der Sohle des Ofens
ein Holzfeuer angezündet ist, giebt man abwechselnd Schichten von
Stein- oder Braunkohle und Kalkstein auf, bis der Ofen gefüllt ist.
Die Ausleerung des Ofens geschieht durch Ziehöffnungen an der Sohle.
Diese Oefen bieten gegenüber den periodisch mit grosser Flamme ar
beitenden Oefen den Nachtheil, dass in ihnen wie in allen Oefen mit
kleiner Flamme der Kalk mit dem Brennmaterial und der Asche des
selben in unmittelbare Berührung kommt, und dass sie die Verwen
dung kleinerer Kalksteine erfordern, also etwas geringeren Kalk lie
fern. Auf der anderen Seite arbeiten sie schneller und billiger, sie
verlangen nicht so viel Brennmaterial als die periodischen Oefen mit
grosser Flamme.
Die Oefen zu continuirlichem Betriebe mit kleiner Flamme sind
im Inneren in der Regel trichter- oder kesselförmig, nach oben sich
erweiternd. Die Beschickung erfolgt wie bei der eben beschriebenen
Art. Wenn *§64005 die Gluth bis an die im oberen Theil des Ofen
raums befindlichen Schichten vordringt, wird nur ein Theil des im
unteren Raum angesammelten gut gebrannten Kalks durch die an der
Sohle angebrachten Ziehöffnungen herausgezogen. Durch die obere
Ofenöffnung werden dann neue Schichten von Brennmaterial und Kalk
stein aufgegeben. Vor den Ziehöffnungen sind in der Regel Roste
angebracht. Wenn der Kalk diese passirt, so wird die Asche des
Brennmaterials, der sich Kalkstaub beimengt, die sogenannte Kalk
asche von dem Stückkalk getrennt.
Von den Oefen mit ununterbrochenem Brande und grosser Flamme