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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Feuergasse ein Kost. Grössere Oefen haben nicht ein, sondern meh 
rere, meist vier, Schürlöcher, und es werden dann mehrere Feuer 
gewölbe gebaut, wodurch natürlich die Flamme besser vertheilt wird. 
Das den Ofen bedeckende Gewölbe enthält eine Anzahl verschliessbarer 
Oeffnungen, wodurch der Zug regulirt werden kann. Bisweilen wird 
dieser noch durch Anbringung einer Esse vermehrt. In der Mitte des 
Ofens ist in der Regel ein Stück Holz eingesetzt, durch dessen Ver 
brennung nachher eine Höhlung entsteht, welche der besseren Ver- 
theilung der Flamme und der Vergrösserung des Zuges förderlich ist. 
Es leuchtet ein, dass der Aufwand an Brennmaterial bei diesen 
Oefen ein beträchtlicher ist. Man kann zwar grosse Steine brennen, 
aber die Steine können nicht eingeschüttet, sondern müssen eingesetzt 
werden und für die Arbeiter ist es im hohen Grade lästig, bei einer 
neuen Beschickung die Steine einzusetzen, bevor der ausgeleerte Ofen 
völlig erkaltet ist. Das vollständige Erkaltenlassen aber würde, da 
der Ofen geschlossen und überwölbt ist, beträchtlichen Zeitverlust ver 
ursachen. 
Die Oefen zu periodischem Betriebe mit kleiner Flamme haben 
einen inneren Ofenraum von der Form eines Ellipsoids oder eines um 
gekehrten abgestumpften Kegels. Nachdem auf der Sohle des Ofens 
ein Holzfeuer angezündet ist, giebt man abwechselnd Schichten von 
Stein- oder Braunkohle und Kalkstein auf, bis der Ofen gefüllt ist. 
Die Ausleerung des Ofens geschieht durch Ziehöffnungen an der Sohle. 
Diese Oefen bieten gegenüber den periodisch mit grosser Flamme ar 
beitenden Oefen den Nachtheil, dass in ihnen wie in allen Oefen mit 
kleiner Flamme der Kalk mit dem Brennmaterial und der Asche des 
selben in unmittelbare Berührung kommt, und dass sie die Verwen 
dung kleinerer Kalksteine erfordern, also etwas geringeren Kalk lie 
fern. Auf der anderen Seite arbeiten sie schneller und billiger, sie 
verlangen nicht so viel Brennmaterial als die periodischen Oefen mit 
grosser Flamme. 
Die Oefen zu continuirlichem Betriebe mit kleiner Flamme sind 
im Inneren in der Regel trichter- oder kesselförmig, nach oben sich 
erweiternd. Die Beschickung erfolgt wie bei der eben beschriebenen 
Art. Wenn *§64005 die Gluth bis an die im oberen Theil des Ofen 
raums befindlichen Schichten vordringt, wird nur ein Theil des im 
unteren Raum angesammelten gut gebrannten Kalks durch die an der 
Sohle angebrachten Ziehöffnungen herausgezogen. Durch die obere 
Ofenöffnung werden dann neue Schichten von Brennmaterial und Kalk 
stein aufgegeben. Vor den Ziehöffnungen sind in der Regel Roste 
angebracht. Wenn der Kalk diese passirt, so wird die Asche des 
Brennmaterials, der sich Kalkstaub beimengt, die sogenannte Kalk 
asche von dem Stückkalk getrennt. 
Von den Oefen mit ununterbrochenem Brande und grosser Flamme
	        
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