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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Calcium. 
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erfreut sich der Rüdersdorfer einer grossen Beliebtheit. Der Schacht 
besteht aus einer doppelten Mauer von feuerfesten Steinen. Der Zwi 
schenraum zwischen beiden Mauern ist mit Asche, Bauschutt u. dgl. 
angefüllt. Dadurch wird die Hitze besser zusammengehalten. Wäh 
rend des Brennens ist der untere Raum des Schachtes mit gargebrann 
tem Kalk angefüllt, der von Zeit zu Zeit durch Zugöffnungen, die sich 
dicht über der Schachtsohle befinden, entfernt wird. In einer Höhe, 
in welcher innerhalb des Schachtes sich noch gargebrannter Kalk be 
findet (in Rüdersdorf etwa 4 Meter über der Schachtsohle), sind Feue 
rungen (drei bis fünf) für Holz oder Torf angebracht, die mit Rost 
und Aschenfall versehen sind. Die Flamme gelangt in den Schacht 
durch eine seitliche Oeffnung desselben. Der Schacht ist vollständig 
mit Kalkstein gefüllt, ja auf die Gicht ist noch ein hoher Kegel von 
Kalkstein aufgethürmt. Im Yerhältniss, als der gare Kalk unten 
ausgezogen wird, bringt man auf die Gicht einen neuen Kegel von 
Kalkstein. Das Brennen dauert so lange, als der Ofen es aushält. 
Wenn der Ofen in Gang gebracht wird, so wird im Schachte selbst 
ein Holzfeuer angemacht. Ueber dem Holzstoss ist Kalkstein bis zu 
den Oeffnungen, durch welche die Flamme von den Feuerstellen her 
kommen soll, aufgeschüttet. Nach Verbrennung des Holzes ist der 
Ofen genügend angewärmt; er wird dann ganz mit Kalkstein ange 
füllt und die Flamme der Feuerherde tritt in Wirksamkeit. 
Die Oefen mit grosser Flamme haben manche Vortheile gegen 
über denen mit kleiner Flamme. Dadurch, dass der Kalkstein nicht 
mit dem Brennmaterial in Berührung kommt, ist es unmöglich ge 
macht, dass der Kalk mit Asche verunreinigt, oder gar damit zusam 
mengeschmolzen ist, was natürlich seine Qualität verringert. Die 
Hitze kann sorgfältiger regulirt werden und in Folge dessen ein gleich- 
massigeres Durchbrennen des Kalks erreicht werden. Deshalb kann 
der Kalkstein auch in grösseren Stücken angewendet werden, was so 
wohl das bei den Oefen mit kleiner Flamme nothwendige Zerkleinern 
überflüssig macht, als auch insofern von Bedeutung ist, dass grosse 
Stücke beim Aufbewahren der Einwirkung der Luft besser widerste 
hen als kleine. 
Von grosser Wichtigkeit ist die Kalkbrennerei für die Zucker- 
fabrikation, da hier nicht nur ein besonders reiner Aetzkalk, sondern 
auch möglichst reine Kohlensäure verlangt wird. Als letztere strebte 
man die beim Kalkbrennen entwickelte zu verwenden. Die Zucker 
siedereien mussten das beste Brennmaterial verwenden , da durch ge 
ringe Sorten Kohle oder Torf nur zu leicht ein schlechtes Product 
erzeugt wird. Der Preis des Kalks ist, da das Rohproduct stets nur 
einen sehr geringen Werth hat, abhängig von dem Preise und der 
Qualität des Brennstoffs. Ersparniss an Brennmaterial bei guter Qua 
lität der Waare ist daher das Ziel der Kalkbrennerei. Dies wird nach
	        
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