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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
den Vorschlägen der Herren Hans Siemens 1 ) und Steinmann 2 ) 
durch Einführung der Gasfeuerung erreicht, welche noch mehrere Uebel- 
stände beseitigen soll. Denn sie gestattet die Anwendung eines 
jeden Brennstoffs, mit einziger Ausnahme stark backender Steinkohle. 
Die Rauchverzehrung ist eine vollständige; auf 100 Theile Aetzkalk 
werden nur 25 bis 40 Theile Brennmaterial erfordert, während Oefen 
mit directer Feuerung 60 bis 100 Theile consumiren; die Nachbar 
schaft wird bei Gasfeuerung in keiner Weise belästigt; das gewonnene 
Product ist vollkommen frei von Asche und Schlacke u. a. in. Das 
Gas, wird in zweckmässig construirten Generatoren entwickelt und 
durch seitliche Oeffnungen in den Kalkofenschacht geleitet. Bei der 
Benutzung des Ofens wird zunächst Kalkstein bis zur halben Gicht 
höhe eingefüllt und dann ein Vorfeuer von Holz angezündet. Wäh 
rend dies verbrennt, werden die Generatoren in Gang gesetzt. Sobald 
das Gas einströmt, werden die bisher zur Unterhaltung der Verbren 
nung des Holzes ein wenig geöffneten Fallthüren, die sich am unter 
sten Theil des Ofens befinden und durch welche der gargebrannte Kalk 
herausgezogen wird, vollständig geschlossen. Diese Fallthüren sind 
mit Oeffnungen versehen, durch welche die Verbrennungsluft eindringt, 
die, indem sie den im unteren Theil des Schachtes befindlichen glü 
henden Kalk passirt, auf die gleiche Temperatur gebracht wird und 
wenn sie sich mit dem Gase mischt, eine energische Verbrennung des 
selben vollzieht, während sie beim Durchstreichen durch den glühen 
den garen Kalk diesen abkühlt. Das erste Kalkziehen findet späte 
stens zwei Stunden nach Zulassung des Gases statt und wird von da 
an in Pausen von nicht unter 1 1 / 2 ,' nicht über 3 Stunden wiederholt. 
Nach jedem Zug wird die Gicht wieder sofort mit Kalkstein angefüllt. Im 
oberen Theil der Gicht unterhalb eines grossen Windfanges, der auch 
die Thür zur Beschickung der Gicht enthält, setkt die Kohlensäure 
leitung an, welche unter Einschaltung eines Laveurs oder Wasser 
wäschers mit einer doppelt wirkenden Pumpe verbunden ist. Man 
gewinnt das Kohlensäuregas in einer Concentration von 19 Proc. — 
Für weitere Details verweisen wir auf die oben citirte Abhandlung *). 
Um reine Kohlensäure für Rübenzuckerfabriken zu erzeugen, sind 
Kalköfen construirt worden, in denen Kalkstein unter Darüberleiten 
von Wasserdampf zersetzt wird; so von den Herren Meschelynk und 
Lionnet 4 ), später von Hrn. Sebor 5 ). Es ist bekannt, dass Calcium 
carbonat , bei Luftabschluss erhitzt, seine Kohlensäure nicht entlässt, 
*) Vergl. Cech: Zur Kritik des Siemens’schen (Steinmann’schen) Kalk 
ofens mit Gasfeuerung. Dingl. pol. J. CC, 144. 2 ) Ferd. Steinmann, 
Polyt. Centralbl. 1870, 1426; Wagn. Jahresber. 1870, 327. 3 ) Vergl. auch 
Cecli: Notizen über Steinmann’s Kalkofen mit Gasfeuerung. DingJ. pol. J. 
CXCVIII, 501. 4 ) Wagn. Jahresber. 1860, 351. 6 ) Fr. Sebor, Deutsche 
Industrieztg. 1866, 448.
	        
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