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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Calcium. 
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und dass gleiche Quantitäten Calciumcarbonat in derselben Zeit ver 
schiedene Mengen Kohlensäure abgeben, wenn beim Glühen über die 
eine Wasserdampf, über die andere Luft geleitet wird, und zwar wird 
das Austreiben der Kohlensäure bei Anwendung von Wasserdampf 
(vielleicht nur in Folge der grösseren Geschwindigkeit des Dampf 
stroms) befördert. Der Ofen von Sebor soll ein Gas von 95 bis 96 
p. C. reiner Kohlensäure liefern. 
Seit einigen Jahren findet der Ringofen von Hoffmann und 
Licht häufige Anwendung zum Brennen von Kalk. Bei demselben 
ist die Ausnutzung der Hitze möglichst weit getrieben, so dass eine 
bedeutende Brennmaterialersparniss ermöglicht ist. Der Ofen ist ur 
sprünglich als Ziegel ofen construirt, wird auch von der Ziegelbrennerei 
hauptsächlich benutzt; er dient jedoch auch zum Brennen von löplei- 
waaren, von Kalk und Cement. 
Von grösstem Einfluss auf die Qualität des Kalks ist neben dei 
Art und Weise des Brennens, bei welchem besonders die unmittelbare 
Berührung des Steins mit dem Brennmaterial von Naqhtheil sein kann, 
in erster Linie die chemische Zusammensetzung des zum Brennen be 
nutzten Kalksteins. Es ist aber keineswegs immer der Kalkgehalt des 
gebrannten Products dem Kalkgehalt des Rohmaterials propoitional. 
Die dolomitischen Kalksteine verlieren beim Brennen ja nicht allein 
die mit dem Kalk, sondern auch die mit der Magnesia verbundene 
Kohlensäure. Da sie somit einen grösseren Gewichtsverlust erleiden, 
so kann ein dolomitischer Kalkstein, der an Kalk ärmer ist, als ein 
anderer, der kein Magnesiumcarbonat enthält, ein an Kalk reicheres 
Product liefern, als der letztere. Bei der Werthbestimmung des Kalks 
ist noch in Betracht zu ziehen, dass der Kalk eine so mannigfache 
Verwendung erfährt, und dass daher dieselbe Kalksorte zu verschiede 
nen Zweckeii in mehr oder minder hohem Grade geeignet sein kann. 
Eine Beimengung von 10 oder mehr Procent an Magnesia liefert beim 
Anmachen mit Wasser einen „mageren“ Kalk. Er ist zur Sodafabii- 
kation durchaus untauglich und wird zur Mörtelbereitung, da er nur 
einen geringen Zusatz von Sand verträgt, nicht gern verwendet; da 
gegen erhöht ein Magnesiagehalt die hydraulischen Eigenschaften des 
Mörtels. Ein solcher Kalk eignet sich daher vorzüglich zur Herstel 
lung von Wasserbauten. Zu demselben Zwecke ist eine Beimengung 
von Silicaten erwünscht, welche sonst die Güte des Kalks sehr beein 
trächtigen. Wenn der Kalk durch grösseren oder geringeren Eisen 
gehalt gelb oder grau gefärbt ist, so kann er nicht zum Weissen und 
Abputzen der Häuser dienen, während für landwirthschaftliche Zwecke 
ein Eisengehalt nicht schädlich ist, und, wenn der Kalk als Zuschlag 
im Hochofen dienen soll, sogar gern gesehen wird. 
Je weniger Silicate und Thonerde ein Kalk enthält, um so feuer- , 
beständiger ist er. Aus Blöcken von reinem Aetzkalk hat zuerst
	        
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