Magnesium. 547
zu Zinkoxyd, mit hellleuchtender Flamme zu Magnesia. In reinem
und alkalisch reagirenden Wasser bleibt das Metall unverändert, in
angesäuertem Wasser löst es sich unter lebhafter Wasserstoffentwicke
lung. Mit verschiedenen Metallen geht es Legirungen ein.
Der Glanz, mit dem das Magnesium verbrennt, war die Haupt
veranlassung, seine Metallurgie möglichst auszubilden. Freilich sind
die Erwartungen, die man anfangs von dem Magnesium als Beleuch
tungsmaterial hegte, im Laufe der letzten Jahre nicht vollständig erfüllt
worden, was vorzüglich in den bedeutenden Darstellungskosten seinen
Grund hat. Die billigere Darstellung des Natriums dürfte der Magne
siumindustrie einen neuen Aufschwung geben was wegen der nütz
lichen Eigenschaften des Metalls nur zu wünschen ist.
Nach Messungen von Bunsen und Roscoe 1 ) strahlt ein Magne
siumdraht von 0'297 mm Durchmesser so viel Licht aus als 74 Stea
rinkerzen, von denen 5 ein Pfund ausmachen. Um dies Licht eine
Minute lang zu erhalten, wird eine Drahtlänge von 0'987 m erfordert,
welche 0’1204 g wiegt, Um 10 Stunden lang ein Licht von 74
Stearinkerzen zu erzeugen, sind daher nur 72'2 g Magnesium erfor
derlich. Dieselben Zahlen erhielt Hr. E. Hoyer 2 ), welcher hinzufügt,
dass die Lichtentwickelung des Magnesiums, wenn es in Sauerstoff
verbrannt wird, sogar der von 120 Stearinkerzen gleichkommt. —
Nicht minder intensiv als die optische Wirkung ist die chemische.
Trocknes Chlorsilber, vom Magnesiumlicht getroffen, wird nach weni
gen Secunden dunkelblau, ein Gemisch von Chlor und Wasserstoff
explodirt momentan unter gleichen Umständen. Das Spectrum des
Magnesiumlichtes ist ausserordentlich reich an violetten und ultravio
letten Strahlen, welche theils von dem leuchtenden Dampfe des Metalls,
theils von der beim Verbrennen gebildeten und zur Weissgluth er
hitzten Magnesia ausgestrahlt werden. Die chemische Wirksamkeit
wurde schon 1859 von Bunsen und Roscoe 3 ) gemessen und mit der
des Sonnenlichts verglichen. Sie machten gleich den Vorschlag, dies
Licht zu photographischen Zwecken zu benutzen. Sie zeigten, dass
eine aus brennenden Magnesiumdrähten gebildete Scheibe, welche von
einem Puncte des Meeresniveaus aus gesehen die scheinbare Grösse
der Sonne zeigt, auf diesen Punkt dieselbe chemische Wirksamkeit
ausüben würde, wie die bei völlig wolkenlosem Himmel 9° 53' über
dem Horizont stehende Sonne. Die Vergleichung des optischen, des
durch das Auge messbaren Glanzes beider Lichtquellen ergab den bei
den Gelehrten, dass bei einer Zenithdistanz von 67° 22' der durch das
Auge wahrnehmbare Glanz der Sonnenscheibe 524’7mal so gross ist,
\) Bunsen u. JRoscoe, Pogg. Ann. CVIII, 261. 2 ) E. Hoyer, Wagn.
Jahresber. 1866, 2. 8 ) Die oben citirte Abhandlung. Vergl. auch Roscoe,
Spectralanalyse, deutsch von Schorlemmer, Braunschw. 1870, 31.
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