Magnesium. 555
man das Leuchtgas durch reines Wasserstoffgas ersetzt, so erhält man
eine beträchtliche Vermehrung des Lichts und der Verbrauch an Sauer
stoff vermindert sich nahezu um die Hälfte.
Hr. Caron berechnet den Preis dieses Knallgaslichtes zu un
gefähr der Hälfte der Kosten gewöhnlichen Gaslichtes. In den Jahren
1868 und 1869 wurden vermittelst dieses Lichtes zu Paris der Stadt
hausplatz und der Hof der Tuilerien beleuchtet. Das Gasgemisch be
stand aus 13 Volum Leuchtgas und 15 Volum Sauerstoff. Vor den
Brennern waren Linsen von mehr oder weniger grosser Brennweite
aufgestellt, welche das Licht in den Raum zerstreuten. Der beständig
wechselnde Druck, unter dem das Leuchtgas sich befindet, verursachte
manche Unzuträglichkeiten. Eine ausführliche Beschreibung des
prachtvollen luchtes, an die er etwas hochgespannte Erwartungen
knüpft, hat Hr. Abbe Moigno geliefert v ).
Es sind indess einige Mängel mit dieser Beleuchtungsart verknüpft.
Selbst die aufs Beste präparirte Magnesia wird unter dem Einfluss
der intensiven Hitze, welche durch die Verbindung des Sauerstoffs mit
dem Leuchtgas hervorgebracht wird, etwas abgenutzt; sie nitrificiit
sich etwas, was übrigens kein sehr erheblicher Mangel ist. Sie zeigt
aber ausserdem den Uebelstand, sich merklich zu verflüchtigen, so dass
nach Verlauf einiger Zeit, an der Stelle, wo der Ilammenstrahl sie
berührt, eine Höhlung entsteht, welche der Intensität der Flamme
nachtheilig ist. Bei Anwendung von Wasserstoff an Stelle des Leucht
gases ist die Abnutzung noch erheblicher. Leuchtgas macht die Ei-
neuerung der Magnesiastifte nach einigen Tagen erforderlich, Wasser
stoff würde ihre Anwendung ganz unmöglich machen. Hr. L a r o n
hat deshalb nach einem Ersatz der Magnesia gesucht und einen solchen
in der Zirkonerde gefunden 2 ). Der Ersparniss wegen lässt man nui
den der Flamme ausgesetzten Theil aus Zirkonerde und den übrigen
Theil des Stiftes aus Magnesia oder feuerfestem Thon bestehen. Billi
gere Darstellungsweisen des Sauerstoffs werden sicher auch die all
gemeinere Anwendung dieses glänzenden Lichtes befördern.
Die in oben beschriebener Weise gereinigte Magnesia bildet ein
ganz vorzügliches Material zur Darstellung feuerfester Tiegel und
Ziegel. Schon im Jahre 1866 machte Hr. Caron 3 ) auf den grossen
Nutzen der Magnesia als feuerfeste Substanz in der Metalluigie, be
sonders des Eisens, aufmerksam. Es war aber für eine allgemeine
Anwendung der Preis der Magnesia noch zu hoch, und ihr Gebrauch
kam über die Benutzung kleiner Tiegel in chemischen Laboratorien,
wo dies übrigens schon seit einer Reihe von Jahren statt hat, nicht
i) Les Mondes, XVI, 89 u. 308. 2 ) Vergl. auch Tessie du Motay,
Chem. News 1868, 276; Dingl. pal. J. CXCI, 252. 3 ) Caron, Compt. rend.
LXII, 296.