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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Magnesium. 
tung von krystallisirtem Bittersalz, hauptsächlich in den Fabriken 
von Vorster & Grüneberg (jetzt Stassfurter chemische Fabrik; 
Actiengesellschaft), eine bedeutende Ausdehnung und grosse Wichtig 
keit erlangt 1 ). Das Abraumsalz enthält, wie oben angegeben, etwa 
16 p. C. an Kieserit. Das Magnesiumsulfat muss also von einer grossen 
Menge fremder Salze befreit werden. Das zur Erreichung dieses 
Zweckes angewandte Verfahren beruht auf der Eigenschaft des Kiese- 
rits, in kaltem Wasser sehr schwer löslich zu sein und darin durch Auf 
lösung des die einzelnen Kieserittheilchen zusammenkittenden Koch 
salzes zu einem feinen stärkemehlartigen Product zu zerfallen. Das Ab 
raumsalz und die magnesiumsulfathaltigen Rückstände der Chlorkalium 
fabrikation aus Carnallit Verden auf feine Siebe gebracht und diese 
in Wasser gehängt. Die löslichen Salze : Kochsalz, Chlorkalium, Car 
nallit, Chlorcalcium etc., werden gelöst, während der in der Lauge un 
lösliche Kieserit als feines Mehl durch die Maschen des Siebes geht. 
Auf den Sieben bleiben grössere Steinsalzstücke, Anhydrit und son 
stige erdige Unreinigkeiten zurück. Lässt man das abgesetzte Kieserit- 
mehl unter einem Strome kalten Wassers durch eine lange Rinne 
fliessen, so setzt sich zuerst der schwere Anhydrit ab, dann der 
Kieserit, während ein feiner, etwas Boracit enthaltender Thonschlamm 
durch das Wasser mit fortgerissen wird. Das Kieseritmehl wird dann 
in conische hölzerne Formen gebracht, worin es zu einer steinharten 
cementartigen Masse erstarrt. Dies Erhärten beruht darauf, dass ein 
Theil der schwefelsauren Magnesia 7 Aeq. Wasser aufnimmt, krystalli- 
sirt und das so entstandene Bittersalz das Kieseritmehl zusammenkittet. 
Diese „Kieseritsteine“ liefern geglüht und gemahlen eine schwefelsaure 
Magnesia von 80 bis 90 p. C. mit nur 1 bis 2 p. C. Kochsalz, die 
für gewisse Industriezweige, besonders zur Appretur der Baumwoll- 
gewebe ohne Weiteres Verwendung finden kann. Zur Darstellung von 
krystallisirtem Bittersalz werden die Steine, nachdem sie an der Luft 
etwas verwittert, d. h. durch Aufnahme von Wasser löslicher geworden 
sind, in heissem Wasser unter Einströmen von Dampf gelöst. Die 
Laugen geben beim Erkalten in flachen eisernen Gefässen reichliche 
Krystallisationen von Bittersalz (Mg S O4 7 H 2 0). Die Krystalle 
werden durch Waschen mit reinem kaltem Wasser von der Mutter 
lauge befreit und bei einer Temperatur, welche, um Verwitterung zu 
vermeiden, 30° nicht übersteigen darf, getrocknet. Zu Stassfurt wer 
den in dieser Weise sehr beträchtliche Mengen Bittersalz dargestellt 2 ). 
Von den etwa 16 p. C. des in dem Abraumsalze enthaltenen 
schwefelsauren Magnesiums werden beim jetzigen Stande der Fabrikation 
l) J. Michels, Wagn. Jahresber. 1868, 305; Dingl. pol. J. CCIV, 76. 
H. Grrüneberg, Dingl. pol. J. CLXXXIX, 238. ") Vergl. Frank, Stass 
furter Kaliindustrie, in diesem Ber. S. 362. 
Wiener Weltausstellung. III. 
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