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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Magnesium. 
webe statt. Neben der gleichfalls schon erwähnten Glaubersalzdar 
stellung ist sodann die des Kaliumsulfats von besonderer Wichtigkeit. 
Dies von Herrn H. Grüneberg eingeführte Verfahren besteht darin, 
dass durch Lösung bestimmter Mengen von Kieserit. und Chlorkalium 
in der Hitze und darauf folgende Krystallisation ein Doppelsalz von 
der Zusammensetzung des Schoenits erhalten wird, welches seinerseits 
wiederum durch Chlorkalium zersetzt wird, wobei Kaliumsulfat, Schoenit 
und Carnallit resultiren. Diese Salze werden durch Krystallisation ge 
trennt. Diese Fabrikation wurde anfangs lebhaft betrieben, so dass der 
Preis des Kieserits von 3 Pfennig pro Centner wieder auf 3 Silber 
groschen stieg. Sie ist jetzt aber wieder aufgegeben worden *). 
Die Schwefelsäure des Magnesiumsulfats wird dazu benutzt, um 
Permanent-^eiss aus Chlorbariumlösung zu fällen. Auch zur Fällung 
anderer schwerlöslicher Sulfate, wie Alaun, kann der Kieserit natürlich 
benutzt werden. 
Nicht unerheblich ist der Consum des Kieserits in der Land- 
wirthschaft, seitdem von Hrn. Pincus nachgewiesen worden ist, 
dass das schwefelsaure Magnesium den Gyps, namentlich in der Klee 
düngung, zu ersetzen, ja denselben in seinen Erfolgen zu überbieten 
vermag. Die Verwendung des Bittersalzes in der Heilkunde ist von 
Alters her bekannt. 
Leider haben die Versuche, das schwefelsaure Magnesium zum 
Klären und Entfärben der Kübensäfte zu verwenden (Verfahren von 
Morgenstern), keine ganz befriedigende Resultate ergeben. Wie 
es scheint, eignet sich das Chlormagnesium besser dazu 3 ). Auch das 
Bleichverfahren nach Tessie du Motay, welches darauf beruht, 
dass die Lösung des grünen mangansauren Kaliums durch Zusat*z von 
schwefelsaurem Magnesium in übermangansaures Kalium übergeführt 
wird 3 ), hat die versprochenen Erwartungen nicht erfüllt. 
Der Verwendung des Kieserits in der Alaunfabrikation ist oben 
schon Erwähnung gethan. Auch ist das Salz zur Darstellung eines Stuck 
marmors empfohlen worden. 2 Aeq. Magnesiumsulfat und 1 Aeq. Kalk 
werden mit einander vermischt, gebrannt und dann fein gemahlen. 
Das Product erhärtet, mit Wasser angerührt, schnell zu einer marmor 
ähnlichen Masse. 
Magnesiumsulfat ist ferner nach Hrn. Reimann in der Färberei 
von Wolle mit Anilinfarben, besonders mit Hofmann’s Violett und 
Phenylviolett, von günstigstem Einfluss. Diese Farben widerstehen 
bei Gegenwart von Magnesiumsulfat besser der Wirkung der Soda und 
der Seife, vermuthlich weil sich unlösliche Magnesiumverbindungen 
*) Vergl. Frank, Stassfurter Kaliindustrie, dieser Der. S. 364, sowie 
Grüneberg, Potasche, dieser Ber. S. 404. 2 ) Vergl. Fra,nk, a. a. 0., 
dieser Bericht S. 375. 3 ) Tessie du Mötay, Wagn. Jahresber. 1867, 652. 
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