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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe 111. Chemische Industrie. 
bilden, welche keine Wirkung auf den Farbstoff ausüben, und eine die 
Farbe verändernde Wirkung des Alkalis paralysirt wird 1 ). 
Der Kieserit und das Bittersalz sind auch zur Schwefelsäure 
fabrikation verwendbar. Wird Magnesiumsulfat mit Kohle geglüht, 
so entweicht alle Schwefelsäure in Form von schwefliger Säure und 
Magnesia bleibt zurück. Es findet folgende Keaction statt: 
MgS0 4 4- C = CO -f S0 2 + Mg0. 
Wenn wir noch hinzufügen, dass das schwefelsaure Magnesium auch 
in der Telegraphie zur Herstellung constanter Batterien benutzt wird, 
so dürften die meisten nützlichen Verwendungen aufgezählt sein. 
Diese alle genügen aber noch bei Weitem nicht, um die grossen Quan 
titäten Kieserit, welche Stassfurt und Leopoldshall liefern, zu bewäl 
tigen. Eine noch allgemeinere Verwendung grosser Massen des Ma 
terials wird mehrfach angestrebt. 
Ein anderes Product der Stassfurter Industrie, das Chlormag- 
nesium, wird jetzt auch in manniehfacher Weise in der Technik be 
nutzt. Es dient nach einem Patent von Hrn. Townsend zum 
Schlichten baumwollener Gewebe; ferner zur Herstellung der Süvern’- 
schen Desinfectionsmasse, des Sorel’sehen Magnesiacements, zur Dar 
stellung von Chlorbarium, wobei es Chlorcalcium oder Manganchlorür 
zu vertreten vermag (vergl. indess S. 518). Es ist weiter ein gutes 
Feuerlöschmittel und kann zum Tränken von Holz in feuergefährlichen 
Gebäuden Verwendung finden, ferner zur Fabrikation künstlicher 
Steine mit Sand und Wasserglas, zum Besprengen von Strassen, um 
sie feucht zu erhalten. Stassfurt producirte im Jahre 1873 etwa 
130 000 Ctr. krystallisirtes und geschmolzenes Chlormagnesium 2 ). 
Das in der Natur in beträchtlicher Menge vorkommende 3 ) 
Magnesiumcarbonat, der Magnesit, spielt nicht nur eine wichtige 
Rolle in der Darstellung von Magnesiapräparaten, sondern auch als 
Kohlensäurequelle. Durch Erhitzen bis zu massiger Rothgluth wird 
die Kohlensäure ziemlich vollständig ausgetrieben. In der Fabrikation 
moussirender Getränke würde früher der Magnesit meistens durch eon- 
centrirte Schwefelsäure zersetzt. Diese Zersetzung ist ziemlich un 
vollständig, und der Aufwand an Schwefelsäure nicht unbeträchtlich. 
Nach Hrn. Schwarz 4 ) in Graz ist der Magnesit in kleinen eisernen 
Gasretorten von 2 bis 3 Fuss Länge zu erhitzen. Die so erhaltene 
Kohlensäure zeichnet sich vor der Verbrennungskohlensäure durch 
grosse Reinheit und absolute Geruchlosigkeit aus und dürfte nicht nur 
zur Bereitung moussifender Getränke, sondern auch zur Darstellung 
4 ) Bevue hebdomadaire de chimie 1874, 129. 2 ) Vergl. S. Frank, 
a. a. 0., dieser Bericht S. 374. 3 ) Z. B. in Baumgarten und Frankenstein 
in Schlesien, hei Hrubsehitz in Mähren, Kraubat in Steiermark, auf der 
Insel Euböa etc. 4 ) Schwarz, Dingl. pol. J. CLXXXVI, 25.
	        
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