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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Stassfurter Kaliindustrie. 
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felsäure im Sulfatofen) gern genommen wurde; namentlich klagte man 
darüber, dass die Zersetzung des feinen Salzes beim Uebergiessen mit 
Schwefelsäure eine zu stürmische sei und dass dadurch, wie durch das 
spätere, unter theilweiser Bildung von saurem schwefelsauren Kalium 
erfolgende Zusammenballen der Masse bedeutende Verluste und Stö 
rungen entständen. Zur Abhilfe dieser begründeten Klagen ist das 
Verfahren neuerdings in soweit verändert worden , dass das Zerrühren 
der Carnallite mit kaltem Wasser nicht mehr stattfindet, dieselben viel 
mehr wie bei dem Umkrystallisiren der Nachproducte der Süsswasser 
lösungsmethode durch Einströmen von Dampf siedend gelöst werden, 
wobei dann aus der heissen Lösung ein krystallisirtes, grobkörniges 
Salz sich ausscheidet. 
Das so gewonnene Chlorkalium wird durch Uebergiessen — Decken — 
mit kaltem Wasser von anhängendem Chlormagnesium und dem wenigen 
beigemengten Chlornatrium gereinigt und liefert ein besonders hochgra 
diges (98 bis 99 p. C.) Chlorkalium, welches für Darstellung von Potasche, 
chlorsaurem und chromsaurem Kalium vorzugsweise geeignet und be 
liebt ist. Die von der Zerlegung des reinen Carnallits fallende Lauge 
wird nochmals eingedampft und giebt dann einen weiteren Anschuss 
von Carnallit, der wie der erstgewonnene aufgearbeitet wird. Die bei 
diesem Eindampfen ausgekochte geringe Menge Bühnensalz — Fisch 
salz — enthält neben anhaftendem Magnesiumchlorid nur Cblornatrium 
und Chlorkalium in wechselnden IJdengeh (16 bis 22 p. C. Chlorkalium), 
aber fast gar keine schwefelsauren Salze. Der Vortheil dieser Methode 
besteht darin, dass man ohne complicirte chemische Operationen und ohne 
grossen Verlust beim Decken das gesammte erhaltene Chlorkalium in 
hochprocentiger Waare erzielt, und dass daher weniger Laugen zu 
verdampfen sind; dagegen erfordert das Verfahren mehr und compli- 
cirtere maschinelle Anlagen an Mühlen, Rührwerken etc., sowie sehr 
heissen, hochgespannten Kesseldampf, dabei schwachem Dampfe die Ver 
dünnung der ersten Rohlösung zu bedeutend wird und dann zuviel 
Chlorkalium in der ersten Mutterlauge bleibt. Versuche, welche ge 
macht wurden, diesem Uebelstande durch Erhitzen der Laugen mit 
directem Feuer oder mit Dampf in geschlossenen Röhren — Schlan 
gen — zu begegnen, sind bisher erfolglos geblieben, da hierbei ent 
weder die Apparate zu sehr leiden oder die Operationen zu sehr ver 
zögert werden. 
Wahrscheinlich werden daher 'die beiden Arbeitsmethoden neben 
einander in Ausübung bleiben; nur für den Fall, dass später Rohsalze 
mit geringerem Chlorkaliumgehalt als 16 p. C. dauernd verarbeitet 
werden müssen, hat die Laugenlösung Vorzüge, während es auf .der 
Hand liegt, dass bei sehr reichen, also zum grossen Theil aus Carnallit 
bestehenden Rohsalzen die vorherige Reindarstellung des Carnallits 
unnöthig wird.
	        
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