Mörtel und Cement.
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H. Frühling 1 ) sind nun die nach gelindem Brennen leicht zerreiblichen
Feuersteine gerade diejenigen, die dänn noch eine gute Puzzolane
abgeben. Er empfiehlt Mörtel daraus zu glänzend weissem Bewurf für
Wände und Gesimse.
Die Erfahrung, dass viele Eisenhohofenschlacken ohne Weiteres
durch Chlorwasserstoffsäure aufschliessbar sind und die Wirkung von
Puzzolanen besitzen, ist alt. Indessen hat auch dieses Material trotz
seiner Ueberschwenglichkeit und Billigkeit für die Praxis niemals beson
dere Bdeutung erworben. Der Grund ist die immerhin matte Wirkung
der Schlacke. Nach J. Huck 2 ) soll diese sich bedeutend erhöhen lassen,
wenn man die Schlacke zuvor mit 2 Thln. (mit der Hälfte Wasser) verdünn
ter Salzsäure aufschliesst, die Gallerte auswäscbt bis zur Entfernung der
Chlormetalle, trocknet und pulvert. Er verwandelt also die Schlacke
in lösliche Kieselerde auf einem weder bequemen noch billigen Wege.
Noch kostspieliger und darum ganz unpraktisch ist der Vorschlag von
A. Warner 3 ), die gepulverte Schlacke mit Phosphorsäure, Phosphaten
des Kalkes oder Borsäure zu versetzen.
Zum Schluss dieser Anführungen über die Kieselerde haltenden
Cemente gereicht es zur angenehmen Pflicht, einer in hohem Grade
dankenswerthen Erscheinung der deutschen Literatur zu gedenken,
nämlich des Werkes von Dr. W. Michaelis: „Die hydraulischen Mörtel,
insbesondere, der Portlandcement in chemisch-technischer Beziehung;“
Leipzig, bei Quandt und Händel 1869. Dieses vortreffliche Werk giebt
nach einer umfassenden Darlegung der geschichtlichen Momente und
der bis dahin entwickelten wissenschaftlichen Grundsätze mit ein
gehender Behandlung der Theorie eine’ vollständige Anweisung zur
Fabrikation und Darlegung ihrer Bedingungen und Methoden. Bei
der gründlichen Kenntniss und Erfahrung des Verfassers in Theorie
und Praxis giebt die kritische Behandlung des Stoffs dem Buche einen
doppelten Werth, wie es denn auch einen grossen Einfluss auf die
Fabrikation bereits ausgeübt hat. Den Schluss bilden die Abschnitte
über die Fehler, die Proben der Cemente und ihre Anwendung.
Magnesiacemente.
Die schon im Jahr 1826 von Macleod, auch später von Vicat
gemachte Beobachtung der Hydraulicität der Magnesia hatte keine
Beachtung gefunden. Erst als 1866 Deville 4 ) Gelegenheit gefunden,
l) h. Prühling, Notizbl. d. deutsch. Ver. f. Ziegelfabrik, etc. 1870, 116.
2 ) J. Huck, Vierteljahrsschr. für techn. Chem. 1869, 302. 8 ) A. Warner,
Gdnie indust. 1870, XXXIX, 272. 4 ) Deville, Compt. rend. LXI, 975.
Wiener Weltausstellung. III. ^