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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
diese  Erscheinung  zu  constatiren,  wandte  sich  ihr  die  allgemeine  Aufmerksamkeit ­
  zu.  Er  fand  nämlich,  dass  gebrannte  Magnesia  in  Stücken,
lange  Zeit  einem  Wasserstrahl  ausgesetzt,  in  ein  alabasterartiges,  durchscheinendes, ­
  den  Marmor  ritzendes,  dem  Brucit  entsprechendes  Mineral ­
  aus  Magnesiahydrat  und  Magnesiacarbonat  überging.  Versuche
in  verschiedenen  Richtungen  angestellt,  ergaben,  dass  die  Magnesia  am
besten  aus  Chlormagnesium,  aber  höchstens  bei  der  Rothgluth  dargestellt ­
  werde;  bei  höherer  Temperatur  geglüht,  verringert  sich  die  Hydraulicität.
  Eine  Art  künstlichen  Marmor  erhielt  Deville  aus  einem
Gemenge  von  Magnesia  mit  Kalkcarbonat.  In  Uebereinstimmung  damit ­
  steht  das  Verhalten  der  Dolomite.  Sie  erhärten,  bei  dem  richtigen
Hitzgrad  gebrannt,  sehr  gut;  dieser  ifiuss  zur  Austreibung  der  Kohlensäure ­
  aus  dem  Magnesiacarbonat  hinreichen,  während  das  Kalkcarbonat
unzersetzt  bleibt.  Sobald  sich  auch  der  Kalk  brennt,  findet  keine  Erhärtung ­
  statt.  Seit  Deville’s  Veröffentlichung 1 )  sind  die  Magnesiacemente,
  obwohl  sie  mager  sind  und  keinen  Sand  binden,  an  verschiedenen ­
  Orten  in  die  Praxis  eingegangen,  so  z.  B.  die  auf  Anglesea  aus
dem  dortigen  Magnesiakalkstein  fabricirten.
In  verschiedenen  Proben  davon  fand  Grace-Calvert:
a  b  c
Kohlensäure  Magnesia  .  .  61T5  55'23  15'86
Kohlensäuren  Kalk  .  .  .  2P41  33'99  72‘23
neben  erheblichen  Mengen  von  Silicaten.  Sie  müssen  sehr  sorgfältig
bei  nur  bis  zur  Rothgluth  gesteigerter  Hitze  gebrannt  werden.  Ebenso
führte  die  auf  Grund  von  Analysen  constatirte  Aehnlichkeit  der  amerikanischen ­
  zu  Cement  dienenden  Magnesiakalke  mit  denen  des  Todtengebirgs
  in  Oesterreich,  durch  Hauenschild,  zu  sehr  befriedigenden
Versuchen  mit  den  letzteren  2 ).
Ein  bei  Jena  verarbeiteter  Magnesiakalkstein  besteht  nach  Reich ­
  ar  dt 3 )  aus  50  p.  C.  kohlensaurem  Kalk,  27  p.C.  kohlensaurer  Bittererde ­
  nebst  sonstigen  in  verdünntem  Chlorwasserstoff  löslichen  Theilen
und  11  p.C.  Silicaten  und  Sand.  —  Ein  solcher  bei  Heidelberg  vorkommender ­
  dolomitischer  Mergel  enthält  nach  Gätschen  berger  4 ):
Kalk  44-22  Thle.
Magnesia  ....  17'77  „
Eisenoxyd  ....  3 - 07  „
Thonerde  ....  5'75  „
Manganoxydul  .  .  2\3.3  „
Alkalien  ....  4'72  „
Kieselerde  .  .  .  .  22-14  „
100-00  Thle.
a )  Deville,  Compt.  rend.  LXI,  1168.  2 )  Hau  enscliild  ,  Wien.  Akad.
Ber.  1871,  LXI,  201.  3 )  Reich  ardt,  Dingl.  pol-  J.  CC,  219.  4 )  Gät.
schenberger,  Dingl.  pol.  J.  CXCII,  191.
            
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