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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Mörtel  und  Cement.

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Dagegen  fand  Spüler 1 )  in  einem  1500  Jahre  alten  römischen  Mörtel
von  Burgh  in  England  bei  25'7p.  C.  kohlensauren  Kalk  54*5  p.  C.  Sand.

Zum  Schluss  mag  noch  hervorgehoben  werden,  dass  zugleich  mit
der  Entwickelung  der  Mörtelindustrie  ein  anderer  nahverwandter
Industriezweig  zu  erheblichem  Aufschwung  gekommen  ist,  nämlich  die
Fabrikation  von  künstlichen  Steinen.  Cemente,  Kalk,  Schlacken,  Wasserglas, ­
  Steinkohlenasche,  Kreide,  Kieselguhr  mit  natürlichem  Gestein  sind
die  gewöhnlich  gebrauchten  Materialien.

Theoretische  Anschauungen.
Der  Feststellung  der  wissenschaftlichen  Principien,  welche  den
Eigenschaften  und  der  Anwendung  der  Cemente  zu  Grunde  liegen,
widmet  die  Periode  dieses  Berichts  eine  lebhafte  und  fortgesetzte  Discussion.
  Sie  bewegt  sich  zunächst  um  die  von  den  früheren  Autoritäten,
namentlich  J.  N.  v.  Fuchs  im  Jahre  1833,  aufgestellten  Sätze  und  gewinnt ­
  —  indem  sie  diese  einerseits  mit  inzwischen  erworbenen  Erfahrungen ­
  in  Einklang  zu  bringen,  andererseits  zu  widerlegen,  oder  zu
erweitern  strebt  —  eine  nicht  immer  fruchtbare,  polemische  Foim.
Die  Ansicht  von  Fuchs:  aus  der  Untersuchung  der  damals  allein
bekannten  natürlichen  hydraulischen  Kalke  geschöpft,  schliesst  sich
bekanntlich  in  dem  Satze  zusammen:  beim  Brennen  wird  die  Kieselerde
in  den  löslichen  Zustand  übergeführt;  beim  Anmachen  mit  Wasser  geht
diese  Kieselerde  gleichzeitig  mit  dem  bis  dahin  freien  Kalke  und  Wasser
eine  chemische  Verbindung  ein,  es  entsteht  als  Ilauptbestandtheil  des
erhärteten  Cementes  ein  zeolithartiges  Mineral.  Im  Gegensätze  dazu
nahm  Vicat  in  Frankreich  als  Ursache  der  Erhärtung,  ähnlich  wie  bei
dem  gebrannten  Gyps,  eine  blosse  Aufnahme  von  Wasser  seitens  dei
im  Feuer  gebildeten  Verbindungen  an.  Im  Jahre  1849  dehnte
v.  Pettenkofer  die  Theorie  von  v.  Fuchs  auf  den  inzwischen
bekannt  gewordenen  Portlandcement  aus,  und  betrachtete  den  Kalk,
trotz  der  bis  zum  Sintern 1  getriebenen  Hitzegrade,  nach  dem  Brennen
als  im  freien  Zustande  vorhanden.  Um  diese  mit  der  Erfahrung,  mit
der  Natur  und  dem  Verhalten  der  betreffenden  Körper  im  Widerspruch
stehende  Annahme  zu  stützen,  nimmt  er  seine  Zuflucht  zu  der  Erklärung, ­
  der  Kalk  werde  von  dem  im  Feuer  sinternden  Silicate  der  Thonerde ­
  eingehüllt  und  beim  Pulvern  des  Portlandcements  wieder  blossgelegt. ­
  Das  Todtbrennen  des  Portlandcementes  definirt  er  folgerichtig ­
  als  die  wider  die  Regel  stattfindende  Bildung  eines  Kalksilicats

i)  Spiller,  Cliem.  News  1868,  Nro.  457.
            
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