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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

585

Mörtel  und  Cement.
und  Kalk  überwiegt,  wegen  der  hoben  Temperatur,  die  Affinität  des
Kalks  zur  Thonerde;  es  entsteht  zunächst  als  Hauptmoment  der  Aufschliessung ­
  Kalkaluminat.  Die  aus  dem  Thon  dabei  abgeschiedene
Kieselerde  tritt  mit  dem  überschüssigen  Kalk  zu  einer  basischen  Verbindung ­
  zusammen.  Unter  der  Einwirkung  des  Wassers  zerfällt  die
Verbindung  des  Kalks  mit  Thonerde  und  Eisenoxyd  in  Thonerde-  und
Eisenoxydhydrat  —  die  als  solche  wirkungslos  im  Cement  verbleiben  —
und  in  Kalk.  Dieser  letztere  wird  theils  Carbonat,  theils  giebt  er,  als
Hydrat  gelöst,  das  Mittel  zur  Bildung  eines  basischen  Kalksilicats,  die
unter  Erhärtung  vor  sich  geht.  Diesem  Silicate,  als  dem  eigentlichen
Schwerpunkt  der  Erscheinung,  weist  er  die  Formel  3  Si  0 2 ,  5  Ca  0  +  5  H 2  0
oder  3  (Si0 2 ,2Ca0)  +  3Si0 2 ,5Ca0  -f  10H 2 0  zu.  Bei  fortdauernder
Einwirkung  der  Kohlensäure,  wie  bei  altem  erhärteten  Cement,  setze  sich
das  basische  Silicat  nach  und  nach  in  freie  Kieselerde,  in  neutrales  Silicat
und  Kalkcarbonat  um.  Die  freie  Kieselerde  verkitte  (wie  bei  Gemengen
von  Kreide  und  Wasserglas)  die  Theilchen  des  Carbonats  zu  steinharter
Masse.  Die  Bildung  jenes  basischen  Kalksilicates  könne  nur  in  einem
„alkalischenMedium“  Platz  greifen;  daher  der  fördernde  und  beschleunigende ­
  Einfluss  der  Alkalien  im  Cemente.
In  Frankreich  hatten  schon  Bivot  und  Chatenay 1 )  ihrer  Zei£
die  Bildung  von  Kalkaluminat,  neben  Kalksilicat,  beide  als  Hydrate,  im
erhärteten  Cement  angenommen.  Diesen  beiden  Vorgängern  —  die  übrigen ­
  scheinen  ihm  nicht  bekannt  —  schliesst  sich  Fremy 2 )  mit  einigen
Abweichungen  an.  Seiner  Annahme  nach  ist  das  Kalkaluminat  das
wesentlichste  Agens  der  Erhärtung,  aber  nicht  das  einzige.  .  Beim
Brennen  entstehen  nämlich  zugleich  mit  Säure  aufschliessbare  Silicate,
unfähig  Wasser  zu  binden  und  für  sich  zu  erhärten,  wohl  aber  fähig,
nach  Art  der  Puzzolane  mit  Kalk  zu  erhärten.  Diesen  Kalk  liefert  das
Aluminat,  welches  sich  mit  Wasser  unter  Abgabe  eines  Theils  dieser
Base  zersetzt.  —  In  einer  drei  Jahre  später  erschienenen  Abhandlung
treten  die  Aluminate  gänzlich  in  den  Hintergrund  gegen  die  Wirkung
der  Silicate  als  Puzzolane,  indem  Fremy  ausdrücklicher  betont,  dass
beim  Brennen  Silicate  verschiedener  Zusammensetzung  entständen,  aus
Kieselerde  und  Thonerde  einfache  und  doppelte,  die  sämmtlich  in  der
Eigenschaft  übereinkämen,  freien  Kalk  aufzunehmen.  Hierauf,  keineswegs ­
  aber  auf  der  Hydratisirung  der  Silicate,  beruhe  die  Erhärtung
der  Cemente.
Michaelis  erkennt  (in  seinem  oben  erwähnten  Werke)  den  von
A.  Winkler  gezogenen  Unterschied  zwischen  den  Portlandcementen
und  den  hydraulischen  Kalken  an.  In  jenen  sei  der  Kalk  bei  der

i)  Eivot  u.  Chatenay,  Oompt.  rend.  LX,  993.
reud.  LXVII,  1205.

2 )  Fremy,  Compt.
            
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