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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Mörtel und Cement. 
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Michaelis 1 ), in seinem oben erwähnten Werke, leitet das frei 
willige Zerfallen der Portlandcemente von falschen Mischungsverhält 
nissen her, die sich in der Kegel schon durch eine braungelbe statt der 
grauen Farbe verrathe. Die thonreichen Mischungen namentlich, „welche 
auf 100 Aequivalente Kieselerde und Sesquioxyde 200 Aequivalente 
Kalk und weniger enthalten“ seien es, welche hei der Abkühlung mehr 
oder weniger zerfallen. Solche Cemente gäben kein schuppiges Pul 
ver von muschligem Bruch, sondern ein amorphes erdiges oder loses 
Krystallmehl. Die Erscheinung des spontanen Zerfaliens, dem Cement 
nicht eigenthümlich, sondern bei Hohofenschlacken und Laven ebenso 
bekannt, sei aus verschiedenen Gründen (Abhängigkeit von der Mi 
schung, Wirkungslosigkeit des langsamen Kühlens u. s. w.) nicht so 
wohl einem physikalischen, als vielmehr einem chemischen Spannungs 
zustande zuzuschreiben. Einerseits lasse der zu geringe Gehalt an 
Kalk die Entstehung von Verbindung des Eisenoxyds und der Thon 
erde mit der Kieselerde zu ; andererseits sei aber der Hitzegrad beim 
Brennen nicht hoch genug, um diesen Verbindungen hinreichende 
Stabilität zu geben, bei der Abkühlung fielen die Molecule der Be- 
standtheile auseinander. Thatsächliche Beweise für diese Erklärung 
sind übrigens nicht gegeben. 
Das „Treiben“ oder „Quellen“ des Cements, oft bis zum gänz 
lichen Zerfallen der bereits zusammenhängenden Masse gehend, leitet 
Michaelis von einer nachträglichen Volumvergrösserung ab, die er 
auf dreierlei Ursachen zurückführt; erstens und vor Allem auf zu hohen 
Kalkgehalt der Mischung; dann auf Vorhandensein von schwefelsaurem 
Kalk; endlich auf ungleiches und damit zu grobes Korn im Cement. Das 
Kalkhydrat sprenge bei seinem Ueberhandnehmen über ein gewisses 
Maass den Zusammenhang durch Krystallisation im Inneren. Zu grobe 
Cementkörner sollen dadurch Treiben veranlassen, dass sie erst lange 
nach der feingemahlenen Masse der Wirkung des Wassers unterliegen, 
zu einer Zeit also, wo für die damit verbundene Volumvergrösserüng 
kein Raum mehr vorhanden. Ebenso durch verspätete Hydratbildung 
wirke der im Cement todtgebrannte schwefelsaure Kalk. Was die 
Wirkung des groben Korns anbelangt, so lehrt die Erfahrung übri 
gens, dass in Wirklichkeit das Wasser nicht, oder nur in verschwin 
dendem Maasse darauf einwirkt. 
Aus Dolomit hergestellte Portlandcemente scheinen besonders em 
pfindlich in Bezug auf das „Treiben“ zu sein. Er dm eng er-) erhielt 
bei zahlreichen damit angestellten Proben immer treibende Cemente, so 
bald der Kalkzusatz wesentlich von dem 1,9- bis 2,lfachen des als Säure 
wirksamen Bestandes (Kieselerde, Thonerde, Eisenoxyd) abwich. Inso 
fern jedoch dabei die übrigen Bedingungen, Temperatur beim Brennen, 
i) Vergl. S. 577. 2 ) Erdmenger, Dingl. pol. J. CCIX, 286.
	        
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