'^ 90 Gruppe III. Chemische Industrie.
Ammoniak z. B. erhärtet derselbe noch besser als mit Wasser, obwohl
das Product 57,6 p.C. kohlensauren Kalk und 2,1 p. C. kohlensaure
Bittererde, beide vor dem Abbinden fertig gebildet, enthielt. Dem
Portlandcement sind damit volle 3 / 4 seines disponiblen Kalks entzogen.
Aus dem mit kohlensaurem Ammoniak erhärteten Product liess sich
zehnmal rgehr lösliche Kieselerde (9‘18 p.C.) ansziehen, als aus dem
mit blossem Wasser erhärteten (0,883 p. C.).
Aehnlich wirken kohlensaure Alkalien, Chlorammonium und oxal-
saures Ammoniak. — Auf rein synthetischem Wege kam Schott zu fol
genden nicht minder bedeutsamen Ergebnissen i). Gemenge aus chemisch
reinen Materialien, nämlich gemahlenem Quarz, Thonerde und Eisenoxyd
(erstere aus schwefelsaurer Thonerde, letzteres aus Chlorid mit Am
moniak gefällt) und kohlensaurer Kalk (aus Chlorcalcium mit kohlen
saurem Ammoniak gefällt) — in folgenden Verhältnissen:
Kieselerde
Thonerde . .
Eisenoxyd
Kalk . . . .
1. 2.
23-8 23-8
11-4 —
— 11-4
64-8 64-8
100-0 100-0
3. 4.
23-3 24-3
6-5 6-9
4-7 4-8
65-4 64-1
99-9 100-1
bei beginnender Weissgluth gebrannt, fein zerrieben und mit Wasser
angemacht, gaben sämmtlich trefflich erhärtende Producte, auch der Cement
Nr. 2, gänzlich frei von Thonerde, aus blossem Eisenoxyd mit Kalk.
Eine andere Probe von letzterem, der man 1,2 p.C. Aetznatron zuge
fugt hatte, lieferte eine schwarzbraune und zwar die härteste bis
dahin beobachtete Cementmasse. Die Proben Nr. 3 und 4, lediglich
im Kalkgehalt verschieden, mit noch mehr Kalk versetzt (7’7 und
8-0 p. C.), zerfielen zu Pulver, welches jedoch mit Wasser an-
gemacht an der Luft wieder bedeutend nacherhärtete. Es folgt
daraus, dass die Eigenschaft der Cemente, worauf ihre Anwen
dung beruht, keiner bestimmten chemischen Zusammensetzung an
gehört, dass eine die hydraulischen Eigenschaften repräsentirende
chemische Formel nicht existirt. Alle Gemenge aus obigen Stof
fen, die bei den praktisch möglichen Feuersgraden hinreichend sin
tern und dicht werden und nach dem Glühen nicht zerfallen, eignen
sich zu Cementen. Alle kommen in der Eigenschaft überein, Wasser
chemisch zu binden und zwar langsam ohne merkliche Entwickelung
von Wärme, wie die fabrikmässig erzeugten Portlandcemente. Aber
nicht dass sie Wasser binden, sondern die Art wie sie es binden, ist
das Charakteristische und Entscheidende. Darüber ist folgende Beob
achtung sehr belehrend. Englischer Portlandcement wurde von den
*) Unveröffentlichte Untersuchung.