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Mörtel und Cement.
sandgroben Theilen durch Abschlämmen (mit Petroleumsprit) befreit;
der zarte flockige Theil allein mit einem grossen Ueberschuss von
Wasser unter fleissigem Umschütteln 8 Tage stehen gelassen, so dass
das Ganze einen losen Schlamm bildet, nahm 14'8 p. C. Wasser auf;
derselbe Portlandcement in einen Kuchen gegossen und 6 Monate
unter Wasser aufbewahrt 20'4 p. 0. Auch dann kann man nicht
sagen, dass die Wasseraufnahme beendigt sei, denn vollkommen erhär
teter Portlandcement, feinzerrieben und mit Wasser angemacht, bindet
nochmals ab und nimmt einige Festigkeit an, offenbar durch Bloss
legung von Theilchen, zu denen das Wasser nicht hatte gelangen können.
Bedeutsame Winke giebt der von Schott nachgewiesene Einfluss
des Korns bei der Zerkleinerung des Portlandcements. Der nach der
Abscheidung des staubförmigen feinen Theils vom besten englischen
Material hinterbliebene Rückstand hat das Korn von mittelgrobem
Sand. Er gewann mit Wasser augemacht auch nach Monaten keinen
nennenswerthen Zusammenhang, band aber, nachdem er. feingerieben
worden, sogleich ab und erlangte denselben Härtegrad wie der mehl
feine Theil. Bei grobem Korn sind der Berührungspunkte zu wenig,
das Wasser wirkt nur sehr oberflächlich und dringt nicht in das
Innere der groben Körner vor, die Zerkleinerung muss der Wirkung
eine weite Strecke entgegenkommen.
Sehr belehrend sind ferner die Beobachtungen von Schott x ) über
die Cemente aus Gemengen von Gyps und Kalk. Solche Gemenge, gleich
viel ob aus gebranntem oder ungebranntem Gyps, sind an sich nicht
hydraulisch, sie erlangen diese Eigenschaft erst durch Glühen bei einer
der Weissgluth nahen Temperatur, eine Eigenschaft, die jedoch keinem
bestimmten Mischungsverhältniss ausschliesslich angehört. Gemenge
von gebranntem Gyps mit gebranntem Kalk in 11 Abstufungen von
125 Gewthln. bis zu 5 Gwthln. Kalk auf 100 Gwthle. Thonerde, verhielten
sich ähnlich, selbst Gyps allein zeigte bei gleicher Behandlung, ob
wohl in massigem Grade, hydraulische Eigenschaften. Wesentlich be
dingt ist die hydraulische Eigenschaft von dem physikalischen Zustande
des Productes, nämlich von der Sinterung im Feuer. Die Fähigkeit
zu sintern besitzt schon der blosse Gyps, sie nimmt zu mit steigendem
Kalkgehalt der Mischung und erreicht den Höhepunkt bei dem Ver-
hältniss gleicher Molecule beider Körper. Mischungen, diesem Verhält-
niss naheliegend, und zwar nur solche Mischungen, sind im strengsten
Feuer schmelzbar; sie erscheinen nach dem Ausgiessen matt feinkör
nig. Alle übrigen Gemenge sind unschmelzbar, zeigen aber nach dem
Glühen einen hochkrystallinischen Bruch. Mit der Sinterung (bez.
Schmelzung) Hand in Hand geht eine starke Verdichtung der Masse
und mit der Verdichtung eine gründliche Veränderung im Verhalten
*) Schott, Din gl. pol. J. CCII, 52.