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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
zum Wasser. Die nach dem Brennen gepulverten Massen geben mit 
Wasser angemacht keine fühlbare Wärmeentwickelung; sie binden, und 
zwar erst nach Verlauf von mehreren Stunden, ab und erlangen nach 
einiger Zeit, wenn inzwischen feucht gehalten, eine beträchtliche Härte 
auch ohne Mitwirkung der Kohlensäure. Legt man sie, statt sie feucht 
zu erhalten, unter Wasser, so tritt eine secundäre Erscheinung ein, die 
Löslichkeit des Gypses und des Kalks macht sich geltend, und die er 
härtete Masse zergeht oberflächlich zu Schlamm. Während jles Ab 
bindens und Erhärtens binden die Glühproducte Wasser. Die Menge 
des gebundenen Wassers steigt anfangs mit wachsendem Kalkzusatz, 
sie erreicht ein Maximum bei der Mischung aus gleichen Moleculen bei 
der Bestandtheile, und nimmt bei weiter steigendem Kalkzusatz wieder 
merklich, um etwa 8 p.C, ab. Die Menge des von den Mischungen 
mit gleichen Moleculen und darüber aufgenommenen Wassers ist bedeu 
tend höher (32 bis 39 p. C.), als die Summe des dem Gyps und Kalk 
unter gewöhnlichen Umständen zukommenden Hydratwassers (21, 1 bis 
22,8 p. 0.). Gebrannter Gyps ohne allen Kalkversatz, langsam und gut 
erhärtend, nahm stets weniger (um 1/3 bis 2 /a) Wasser auf, als im ein 
fach entwässerten Zustande. 
Gement aus mit Kalk geglühtem Gyps verhält sich beim Aiimachen 
sehr verschieden, je nach der Menge des verwendeten Wassers; im 
Allgemeinen fällt die Härte ungleich besser aus bei sparsamem Wasser 
zusatz. Den weitaus grössten Einfluss übt der Grad der Zertheilung 
des Cements. Proben ein und derselben Masse, nach dem Abbinden 
in Wasser versenkt, verhielten sich wie folgt: mehlfrei gepulverter er 
härtete kaum noch, band 36 p. C. Wasser und nahm eine Dichte an 
(ohne Poren) von 2'899, mit Poren von 2'089; dabei war die noch zu 
erzielende Härte ganz von der Menge des Anmachwassers bedingt; zum 
Korn des mittelfeinen Sandes zerrieben erhärtete der Cement voll 
kommen, band 24 p.C. Wasser und nahm eine Dichte ein von 2'899 
bez. 2 089; die Menge des Anmachwassers machte keinen fühlbaren 
Unterschied in der Härte. 
Auch bei den mehlfeinen Proben, die mit viel (dem OTfachen Ge 
wicht) Wasser angemacht, zuletzt ganz und gar erweichen, tritt anfangs 
Erhärtung ein, die Nachher ins Gegentheil umschlägt unter Quellen 
und 1 leiben. Nimmt man solche mehlfeinen Proben vor dem Beginn 
des Treibens aus dem Wasser, so sind sie ebenso fest wie die aus 
gröberem Korn; das Hydratwasser betrug aber auch in einem solchen 
Fall nur 19'5 p. C. 
Es ist demnach klar, je feiner die Masse gepulvert war, um so 
vollständiger hydratisirt sie sich. Nun bildet aber niehlfeine Masse 
ein lockeres Haufwerk, sie nimmt bei gleichem Gewicht den doppelten 
Baum ein gegen sandgrobe. Das Wasser kann durch die weiten Poren 
zuletzt bis ins Innere dringen. Die bereits verkittete Masse wird zu-
	        
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