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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Mörtel und Cement. 
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letzt durch das fort und fort hinzukommende Hydrat gesprengt, wenn 
dessen Bildung nicht durch rechtzeitige Entziehung des Wassers ab 
gebrochen wird. Bei gröber gepulverter Masse bleiben die Dinge 
unter allen Umständen im Gleichgewicht, das Wasser dringt nicht bis 
ins Innerste der Körner vor, das in weit beschränkterem Maasse gebil 
dete Hydrat findet eben noch Platz in den Zwischenräumen. Bei den 
mehlfcinen Massen findet nach hinreichend langem Aufenthalt im 
Wasser bedeutende, bei den sandgroben Massen geringe Ausdehnung 
statt. Dazu kommt, dass das Volumgewicht bei jenen nicht grösser 
ist, als das mittlere des ursprünglichen Cements und des aufgenom- 
menen Wassers; bei diesen erheblich grösser. — Durch Eingiessen 
des mehlfeinen Cementes in Räume mit geschlossenen Wänden wird 
der Ausdehnung der Masse, oder, was dasselbe besagt, der Aufnahme 
von Hydratwasser eine Grenze gesetzt und man erhält Güsse von nor 
maler Härte. Bei einer Probe mit solchem mehlfeinen Cement fand 
man, nachdem sie sechs Wochen in einen Messingring geschlagen, im 
Wasser gelegen 16’6 p. C. gebunden und die Dichte 3'116. 
Die normale Erhärtung hängt also bei den Gypscementen gleich 
zeitig von mehreren Bedingungen ab, nämlich: 
1) davon, dass überhaupt Wasser gebunden wird; 
2) dass dabei keine merkliche Wärme entwickelt wird, dass sie 
langsam vor sich geht; 
3) von der Menge des Wassers, welches zu Hydrat gebunden 
wird; 
4) von der Menge des beim Anmachen der gepulverten Masse 
verwendeten Wassers; 
5) von dem Korn der gepulverten Masse; 
6) von der Zeit der Einwirkung des Wassers; 
7) von dem mechanischen der Ausdehnung entgegenwirkenden 
Widerstand; 
8) von der Raumerfüllung und dem Volumgewichte. 
Zur normalen Erhärtung braucht nicht nur nicht der ganze Be 
trag des bindbaren Hydratwassers aufgenommen zu werden, sondern 
es kommt vielmehr darauf an , dass gerade die den Umständen ent 
sprechende Menge gebunden wird. 
Die aufgeführten Bedingungen gelten ohne Zweifel nicht nur 
für den Gypscement, sondern für hydraulische Producte überhaupt, 
namentlich auch für den Portlandcement. Dieser bietet nur die weit 
aus günstigsten Verhältnisse. In Folge der Bindung von Hydratwasser 
wird der Gypscement specifiseh leichter (im besten Fall voi\ 3'3 auf 
2*9), nicht minder der Portlandcemcnt (von 3'2 auf 2'7), aber bei die 
sem ist die Bindung von Wasser nicht nur langsamer, sondern auch 
der Menge nach eingeschränkter und daher sehr wenig Neigung zu 
Wiener Weltausstellung. III. 38
	        
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