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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
für die menschliche Gesundheit, seine vollkommene Bearbeitungsfähigkeit, 
so muss man in der That sich wundern, dass es eine so geringe Be 
nutzung findet, dass die grossen Hoffnungen, mit denen sein Erscheinen 
nach der Deville’schen Darstellung begrüsst wurde, so wenig realisirt 
sind. Der Handelspreis des Aluminiums würde bei Massenproduction 
sich erheblich verringern lassen. Er ist von dem des Natriums ab 
hängig, dessen Darstellung bei gesichertem massenhaften Absatz wohl 
auch noch wohlfeiler auszuführen wäre. Aber es fehlt eben an allge 
meiner Nachfrage. Die Vortheile von Geräthschaften aus Aluminium 
scheinen doch nicht so auf der Hand zu liegen, als dass sie alte Gewohn 
heiten leicht überwinden könnten. Während auf der Londoner Welt 
ausstellung vom Jahre 1862 noch zahlreiche Gegenstände aus Aluminium 
figurirten, zeigten die Pariser Ausstellung von 1868, sowie die Wiener, 
dass das Interesse an dem „Silber aus Thon“ seit einiger Zeit im Er 
löschen ist. 
Das nach Deville dargestellte Aluminium diente anfangs zu 
Schmucksachen und sonstigen Luxusartikeln; eine kunstvoll ciselirte 
Kinderklapper (hochel), für den 1856 geborenen Sohn des Kaisers Napo 
leon bestimmt, war das erste Stück dieser Art 1 ). Bald wurden auch 
wegen seines- geringen Volumgewichtes Operngläser und Fernröhre 
mit Aluminiumröhren hergestellt. Bei physikalischen Instrumenten 
und feineren Apparaten überhaupt, wo die Trägheit schwerer Massen 
hinderlich ist, ersetzt das Aluminium vörtheilhaft andere Metalle. Auch 
Säbelscheiden und Degengriffe sind daraus angefertigt worden. Die 
Adler auf den Fahnenstangen der französischen Armee sind um mehr 
als zwei Kilogramm leichter geworden, seitdem man sie aus Aluminium 
macht. Da das Metall sich leicht zum feinsten Draht ausziehen lässt 
so hat man Stickereien, Spitzen, Tressen, Posamentierwaaren aus Alu 
miniumdraht verfertigt. Vor silbernen Artikeln gleicher Art haben 
diese Fabrikate den Vorzug, dass sie äusserst leicht sind und nicht 
anlaufen. 
Die Anwendung des Aluminiums hat indess, wie gesagt, sehr ab 
genommen. Daraus verfertigte Bijouterien sieht man heute fast nicht 
mehr. Die Optiker gebrauchen es noch oft zu Fernröhren und der 
gleichen. Neuerdings wird es auch vielfach zu chirurgischen Zwecken 
benutzt. In den Ateliers der Instrumentenfabrik von Chr. Schmidt 
in Berlin werden beträchtliche Mengen zur Anfertigung von Bein 
schienen und dergleichen verbraucht. 
Wenn sich nun nicht verkennen lässt, dass die hohen Erwartungen 
mit denen das Erscheinen des Aluminiums das Publicum erfüllt hatte, 
nicht verwirklicht worden sind, so findet doch die Aluminiumindustrie 
*) H. St. Claire-Deville, Rapports des inembres de la section frang. 
du jury internat. Paris 1862, t. I, p. 104—114; Wagn. Jahresber. 1864, 16.
	        
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