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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
schlag ab, der von Neuem ausgelaugt wird. Die klare Lauge wird in 
kleine hölzerne Bottiche von ungefähr 12 Eimer Inhalt und 36 Zoll 
Höhe zur Krystallisation abgelassen. Zur Erleichterung derselben be 
findet sich in der Mitte ein senkrechter Stab. Nach 3 bis 4 Tagen 
ist die Krystallisation beendet. Die Mutterlauge, ungefähr 4 bis 5 Eimer 
von jedem Bottich, wird in grösseren Reservoirs sich selbst überlassen, 
wo dann nach längerer Ruhe eine zweite brauchbare Krystallisation 
anschiesst. Diese besteht hauptsächlich aus cubischem Alaun. 
Das Product der ersten Krystallisation hat in der Regel eine 
schwach rosenrothe, für den römischen Alaun ganz charakteristische 
Färbung, welche beim Umkrystallisiren als röthlicher Schlamm (mer- 
dacio) zurückbleibt. Derselbe rührt von etwas mechanisch einge 
schlossenem Eisenoxyd her. Das Wiederauflösen der ersten Krystalli 
sation geschieht zu Munkäcs in flachen gusseisernen Gefässen von 
12 Eimer Inhalt. Die Flüssigkeit von 30° B. Concentraction lässt 
man in hölzernen Bottichen wie das erste Mal krystallisiren. Nach 
dem Abkühlen wird die obere Krystalldecke abgenommen, die Mutter 
lauge (von 12 bis 14° B.) wird in das grosse Sammelgefäss gebracht 
und sodann werden die grösseren, säulenförmigen Krystallisationen 
entfernt. Um die übrigen Alaunmassen zu gewinnen, wird der ganze 
Bottich umgestürzt, die Reifen und Dauben des Bottichs werden ab 
genommen, so dass die Krystallmasse sich als ein hohler Kegel darstellt. 
Die dem Boden und den Wänden zunächst liegenden Alaunschichten 
sind dunkel gefärbt , von geringer Festigkeit und werden abgekratzt 
und wiederum raffinirt. Der zurückbleibende Alaunblock wird in 
grössere Stücke zerschlagen, welche in einem massig warmen Raume 
getrocknet werden. 
Zum Versand wird der Alaun in kleine Stücken zerschlagen, wobei 
natürlich ein Theil in ziemlich feinem, griesförmigem Zustand erhalten 
wird. Das Publicum in Oesterreich liebt im Allgemeinen möglichst 
grosse Alaunstücke, während man in Frankreich und England den 
Alaun in ganz zerkleinerter, fast mehlartiger Form vorzieht, weshalb 
dort dei Alaun oft noch mittelst Mühlen und Walzen zermahlen wird J ). 
In Montioni beträgt die Ausbeute nur 14 bis 15 p. C. des ange- 
wendeten Alaunsteins. Im Winter 1872/73 wurden dort nur 9600 Kg 
producirt. Seitdem ist die Fabrik in die Hände einer französischen 
Gesellschaft gelangt, welche sich eine weit intensivere Ausbeutung des 
Materials angelegen sein lässt 2 ). 
Der sogenannte römische Alaun enthält nur Spuren von Eisen 
und ist im Handel sehr gesucht. 
3. Darstellung aus Alaunerzen. Wir zählen dazu den Alaun- 
schiefer und die Alaunerde, welche die zweite der oben aufgestellten 
x ) Blumenwitz a. a. 0. 2) C- M. Kurtz, a. a. 0.
	        
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