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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Aluminium und Aluminiumverbindungen. 
Gruppen bilden (vergl. S. 616), die zur Alaunbildung eines Zusatzes von 
Kalium- (resp. Ammonium-)sulfat bedarf. Zwar enthalten einige schwe 
dische Alaunschiefer eine gewisse Menge von Feldspathj und somit von 
Kali, fein eingesprengt; in der Kegel ist aber dieser Kaligehalt so 
gering, dass die aus den Erzen gewonnenen Laugen als kalifrei be 
handelt werden. Die bei weitem grösste Menge des im Handel vor 
kommenden Alauns wird aus den Alaunerzen fabricirt. Die Methode, 
nach welcher meistens gearbeitet wird, ist kurz die folgende. 
Zunächst lässt man, ijm die Bildung von Aluminiumsulfat hervor 
zurufen, die Erze verwittern oder rösten. Je nach der Beschaffen 
heit der Erze, ihrer grösseren oder geringeren Dichtigkeit, ihrem Ge 
halt an Schwefelkies, genügt die eine oder die andere Operation. 
Dichte Schiefer werden meist geröstet; mdess geht der Röstung zweck 
mässig der Verwitterungsprocess voran. Bei dem Verwittern der Erze, 
welches in wenig hohen, aber umfangreichen Haufen geschieht, geht das 
feinvertheilte Eisenbisulfid (Strahlkies, Wasserkies) durch Oxydation in 
Eisensulfat und Schwefelsäure über. Nach Mitscherlich und Otto 
finden folgende beide Reaetionen statt: 
FeS 2 + 7 0 4- H 2 0 = FeS0 4 + H 2 S0 4 und 
6 FeS0 4 + 3 0 -f H 2 0 = 2Fe 2 S0 6 + Fe 2 3S0 4 + H 2 S0 4 0- 
Die Schwefelsäure wirkt auf die Thonerde und bildet Aluminium 
sulfat. Ebenso wirkt das Eisenoxydsalz auf den Thon; es bildet sich 
basisches Eisensalz und Aluminiumsulfat. Je nach der Beschaffenheit 
der Erze, den klimatischen Verhältnissen u. s. w. müssen dieselben ein, 
zwei Jahre und länger verwittern. 
Zum Zwecke des Röstens werden die Schiefer in Haufen gebracht 
und, wenn ihr Bitumengehalt gross genug ist, für sich angebrannt; 
im anderen Fall werden sie mit Brennmaterial in abwechselnden Lagen 
geschichtet. Durch die Einwirkung der Hitze allein zerlegt sich der 
Schwefelkies (FeS 2 ) in Eisenmonosulfid (FeS) und Schwefel. Letzterer 
zusammen mit eingemengtem freien Schwefel verbrennt zu schwefliger 
Säure; das leicht oxydirbare FeS giebt Eisenoxydul und ebenfalls 
schweflige Säure. Diese wirkt auf den Thon und bildet Aluminium 
sulfit und -sulfat; das erstere geht beim Liegenlassen der gerösteten 
Haufen an der Luft ebenfalls allmälig in schwefelsaure Thonerde über. 
Natürlich bildet sich auch Eisenvitriol. Dieser zerlegt sich bei ein 
tretender Rothglnth und bildet ein unlösliches, basisches Salz, wobei 
Schwefelsäure frei wird, die einen neuen Antheil Thon zersetzt. Statt 
des Röstens in Haufen oder Halden sind dafür besondere Schachtöfen 
vorgeschlagen worden, die indess bei grösserer Kostspieligkeit keine 
Vorzüge darbieten. Der Röstprocess nimmt mehrere Wochen in An 
spruch. Werden die Erze gleich nach der Röstung weiter verarbeitet, 
') Vergl. Otto, Anorganische Chemie IT. Bd., vierte Auf!., 677. 
Wiener Weltausstellung. III. 16
	        
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