62S
Gruppe III. Chemische Industrie.
Kali substituirt wird; so auch in Deutschland, wo bis vor wenigen
Jahren ein hoher Zoll auf den Ammoniaksalzen fremden Ursprungs die
Anwendung derselben ziemlich erschwerte. Der Bonner Bergwerks
und Hüttenvereiü unter Direction des Hrn. Herrn. Bleibtreu, der
im Jahre 1851 ausschliesslich Kalialaun fabricirte, stellt bei einer jähr
lichen Production von 1500 Tonnen Alaun jetzt nur 250 bis 300 Tonnen
Kalialaun dar. Die Darstellung des Ammoniakalauns ist so allgemein
geworden, dass es oft in der That schwer ist, sich für die Bedürfnisse
des Laboratoriums Kalialaun zu verschaffen, und sehr oft enthält dieser
beträchtliche Mengen Ammoniakalaun. Man sieht aus diesem Ver
drängtwerden des Kalialauns durch den Ammoniakalaun recht deutlich,
dass es weder das Kaliumsulfat noch das Ammoniumsulfat ist, welche
dem Alaun seinen industriellen Werth verleihen. Dies geschieht viel
mehr durch das Aluminiumsulfat; das Alkalisulfat dient nur dazu, einen
wohl definirten Körper zu erzeugen, der durch seine bedeutende Kry-
stallisationsfähigkeit leicht von Verunreinigungen frei erhalten werden
kann, zumal von Eisensalzen, welche für manche Anwendungen, wie
für die Färberei, sehr schädlich sein würden.
In Bezug auf die Alaungewinnung aus den Schwefelkies führenden
Schiefern und Tkonen der Stein- und Braunkohlenformation liegt eine
ausführliche Arbeit des Hrn. Seger. 1 ) vor, mit deren Hilfe wir ein
Bild der heutigen Methode der Verarbeitung dieser Materialien zu geben
versuchen wollen.
Die Materialien, welche zur Darstellung von Alarm und Eisen
vitriol verwendet werden, lassen sich in zwei Gruppen theilen, je nach
dem sie nach der Oxidation als Hauptproduct Vitriol oder Alaun geben.
Zur ersten Gruppe gehören die compacteren Erze mit geringem Thon
erdegehalt, die besonders aus Schwefelkies, Magnetkies und verwandten
Mineralien bestehen. Die zweite Gruppe wird von den eigentlichen
Alaunerzen der Stein- und Braunkohlenformation gebildet, welche,
schiefrig oder erdig, meist mit Kohle oder Bitumen imprägnirt sind
und das Schwefeleisen theils in Nieren und Adern, zumeist aber fein
eingesprengt enthalten. Die grosse Angriffsfläche, welche der Luft
durch die physikalischen Eigenschaften dieser Materialien geboten wird,
ermöglicht eine starke Oxydation schon bei niedriger Temperatur. Die
compacten Erzmassen oxydiren sich nur schwierig; sie bedürfen einer
Abtreibung von Schwefel in gediegener Form oder einer partiellen Rö
stung, und nur nach mehrjähriger Einwirkung der Luft auf die Abbrände
liefern dieselben Massen, aus welchen durch Wasser hauptsächlich Eisen
vitriol und nur wenig Aluminiumsulfat auszuziehen ist.
1 ) A. H. Seger, Die technische Yerwerthung schwefelkiesführender Schiefer
und Thone der Stein- und Bräunkohlenformation. Kritik des heutigen Standes
der Alaun- und Vitriolgewinnung und Mittel zu deren Hebung. Neuwied und
Leipzig 1889. Inaüg.-Dissert. Im Auszug: Wagner’s Jahresber. 1869, 281.