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Gruppe III. Chemische Industrie.
erhaltene Product verunreinigen. Eine andere ebenfalls versuchte
Methode zur Darstellung von schwefelsaurem Kalium beruht auf der
Zersetzbarkeit von schwefelsaurem Natrium mit Chlorkalium; da aber
diese Zersetzung keine vollständige ist, vielmehr stets ein nur für Glas
hütten brauchbares Doppelsalz von 3K 2 S0 4 -f Na 2 S0 4 hierbei ent
steht, so hat man dieses Verfahren vollständig aufgegeben - 1 ).
Die Darstellung des schwefelsauren Kaliums hat die Zeit und Kraft
der Techniker vielfach in Anspruch genommen, es sind namentlich
von den Firmen Vorster & Grüneberg und Andrae & Grüneberg
schon vor Jahren ausgedehnte und kostspieligste Versuche darüber
angestellt worden, welche zwar sehr schöne Producte geliefert, aber zu
keiner lohnenden und gleichmässig sicheren Fabrikation geführt haben.
Neuerdings hat die Firma Wünsche & Göring in Leopoldshall diese
Fabrikation aufs Neue angegriffen, ob mit besserem Resultate wie die
früheren, muss abgewartet werden. — Nach der Ansicht des Verfassers
ist die Darstellung des schwefelsauren Kaliums unter der Benutzung
des schwefelsauren Magnesiums zwar chemisch ausführbar, wird aber,
von dem für den Techniker allein maassgebenden commerciellen Stand
punkte betrachtet, in Stassfurt nie praktisch werden können. Der
Process erfordert zunächst ein sehr reines Chlorkalium, welches man in
einer Operation durch einfaches Uebergiessen mit Schwefelsäure in dem
gewöhnlichen Sulfatofen ohne grosse Mühe und Substanzverlust in
schwefelsaures Kalium convertiren und dabei noch ein mehr oder minder
werthvolles, aber doch stets brauchbares Nebenproduct — die Salzsäure
erzielen kann. Auch das für Darstellung des schwefelsauren Kaliums
durch Doppelzersetzung erforderliche schwefelsaure Magnesium muss
erst durch complicirte Schlämmprocesse von den anderen Rückständen
getrennt werden.
Das Bestreben, mit Zuhilfenahme der sehr billigen Schwefelsäure
der Kieserite ein werthvolleres Kalisalz als es das Chlorkalium ist,
möglichst in einer Fabrikation darzustellen , ist gewiss sehr erklärbar,
wenn man indess berücksichtigt, dass die Schwefelsäure der Kieserite
durch einen sehr einfachen, wenig Apparate erfordernden Löse- und
Ausfrierproeess für Darstellung von schwefelsaurem Natrium nutzbar
gemacht werden kann, während die durch diese Art der Glaubersalz
fabrikation im Gesammtgebiete der Technik übrig gebliebene beziehungs
weise frei gewordene Schwefelsäure in den gleichfalls zur Benutzung frei
gewoi denen Sulfatöfen mit demselben reinen Chlorkahum, welches zur Dar
stellung von schwefelsaurem Kalium dient, in einfachster sicherster Weise
zu Kaliumsulfat vereinigt werden kann und hierbei nicht allein ein noch
x ) Für die neuerlichen Angaben von Sonstadt (American Chemist 1873,
218), dass man das Kaliumnatriumdoppelsalz durch erneuten Zusatz von
Chlorkalium zerlegen könne, geben die hier gesammelten Erfahrungen keinen
rechten Anhaltepunkt.