Mittheilungeii über Kryolith u. d. darauf gegründete Industrie. 639
Zur Abscheidung der Thonerde kann man die vom Fluorcalcium
decantirte Lösung (Natronaluminat und Natronhydrat) statt mit Kohlensäure,
in der Hitze mit höchst fein gepulvertem überschüssigen Kryolith
behandeln, wobei sich Thonerde und I luornatrium bilden : AL O3, 3 Na 2 0
-f A1 2 F1 6 , 6 Na Fl — 2A1 2 0 3 +- 12NaFl. Da die ausgeschiedene fein
vertheilte Thonerde den Kryolith zu umhüllen strebt, so muss der letztere
im Zustand äusserster Zerkleinerung und unter stetem Umrühren
angewendet werden. Die völlige Umwandlung der Stoffe hat stattgefunden
, wenn sich in der Lösung kein Aetznatron und keine Thonerde
ntehr befinden; Salmiak darf in einer filtrirten Probe keinen Niederschlag
von Thonerde hervorbringen. Durch Kochen der I luornatriumlösung
mit eisenfreiem Kalk gewinnt man Aetznatron.
Ehe. man das bei der Verarbeitung des Kryoliths in grossen Mengen
abfallende Fluorcalcium in der Glasfabrikation zu verwerthen
wusste, war dieses ein lästiges Nebenproduct. Hr. R. Wagner 1 ) hat
deshalb den Baryt zum Zersetzen des Kryoliths vorgeschlagen. Das
dabei entstehende Fluorbarium lässt sich durch Glaubersalz in Permanentweiss
überführen, während das aus dieser Umsetzung hervorgehende
Fluornatrium durch Kalk oder besser durch Baryt in Aetznatron umzuwandeln
ist.
In der Fabrik von Weber & Co. in Kopenhagen wurde nach
einem Vorschlag von Persoz 2 ) der Kryolith mittelst Schwefelsäure zersetzt.
1 Mol. Kryolith erfordert 6 Mol. Schwefelsäure; die Reactionsproducte
sind schwefelsaure Thonerde, Natriumsulfat und Flusssäure.
Beim Eindampfen der Lösung scheidet sich zuerst das Glaubersalz aus,
welches nach Leblanc’s Process in Soda umgewandelt wird. Die an
schwefelsaurer Thonerde reiche Mutterlauge liefert das Material zur
Alaunbereitung. Um die entweichende Flusssäure unschädlich zu
machen, hat man vorgeschlagen, dieselbe zur Zersetzung von Feldspath
und ähnlichen Gesteinen zum Zweck der Potaschegewinnung zu benutzen.
Immerhin ist dies Aufschliessen mittelst Schwefelsäure mit
manchen Nachtheilen verknüpft, die besonders von Hrn. Sauerwein 3 )
hervorgehoben worden sind.
Hr. Schuch 4 ) hat Versuche über die Zerlegung des Kryoliths
durch Natronlauge und beim Glühen in Wasserdampf angestellt. Fein
zerriebener Kryolith löst sich in einem grossen Ueberschuss von heisser
verdünnter Natronlauge, wird aber durch Kohlensäure unverändert
wieder ausgeschieden. Ueberschüssige concentrirte Natronlauge dagegen
verwandelt den Kryolith in lösliches Thonerdenatron und
i) R. Wagner, Wagn. Jahresber. 1863, 343. 2 ) Persoz. Wagn.
Jahresber. 1859, 213. s ) Sauerwein, Dingl. pol. J. CLXV, 443.
4 ) Sctyuch, Ami. Chem. Pharm. LXXVI, 108; Wagn. Jahresber. 1863,
344.