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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Mittheilungen über Kryolith u. d. darauf gegründete Industrie. 641 
allerdings erst bei einer sehr hohen Temperatur. Unter Entwickelung 
von schwefliger Säure und Sauerstoff bildet sich Eisenoxydnatron, wel 
ches bei späterem Behandeln mit heissem Wasser in Eisenoxyd und 
Natron zerfällt. Mit grosser Leichtigkeit bildet das Gemenge von Thon 
erde und Sulfat Natronaluminat, wenn ihm eine gewisse Menge Kohle 
(Holzkohle, Steinkohle, Coke, Theerasphalt) vor dem Glühen zugesetzt 
worden ist. Die Kohle begünstigt insofern die Einwirkung, als sie die 
Schwefelsäure des Sulfats unter Bildung von schwefliger Säure zersetzt. 
In Folge des Eisengehalts des Bauxits gelangt in die durch Auslaugen 
der geglühten Masse erhaltene Lösung von Natronaluminat die von 
der Sodafabrikation her bekannte störende Verbindung von Schwefel 
natrium mit Schwefeleisen, deren Abscheidung mit grossen Uebelständen 
verknüpft ist. Der Bauxit müsste deshalb vor seiner Verarbeitung 
nach dieser Methode von seinem Eisenoxydgehalt befreit werden; es 
müsste aus ihm reines Thonerdehydrat abgeschieden werden, was öko 
nomisch nur dann möglich ist, wenn die Thonerde als Neben- oder 
Zwisckenprodnct auftritt *). 
Es sind noch andere Mittel zur Zerlegung des Bauxits vorhanden. 
Natronsalpeter wird durch Thonerde bei anhaltendem Glühen voll 
ständig zersetzt. Es ist ja die Darstellung der Salpetersäure aus Sal 
peter durch Erhitzen desselben mit feuchtem Thon eine der ältesten 
Methoden der Scheidewasserbereitung. Dabei entsteht Thonerdenatron, 
während die sich entwickelnden rothen Dämpfe zur Fabrikation von 
Schwefelsäure benutzt werden können. Dies zuerst von Hrn. R. Wag 
ner 2 ) angegebene Verfahren ist später noch zweimal in England paten- 
tirt worden 3 ). Kochsalz, die am leichtesten zu beschaffende Natrium 
verbindung, wirkt für sich allein unter keinen Umständen, auch nicht 
bei Weissgluth, auf Bauxit ein, wohl aber unter Dazwischenkunft des 
Wasserdampfs. Wie es scheint, hat Hr. Tilghmann 4 ) in London 
zuerst diese wichtige Reaction für die Zwecke der Sodafabrikation im 
Jahre 1847 in Anwendung gebracht. Mit Wasserdampf gemischte 
Kochsalzdämpfe wurden bei sehr hoher Temperatur über Thonerde ge 
leitet; die entstandene Salzsäure wurde passend condensirt und die 
natronaluminathaltige Masse ausgelaugt und in bekannterWeise weiter 
verarbeitet. Da bei dem damaligen Stande der technischen Chemie die 
Thonerde nur durch Glühön von Aluminiumsulfat dargestellt werden 
konnte, so war diesem Verfahren kein Eingang zu verschaffen. Nach 
i) Balard; vgl. A. W. Hofmann’s Reports by the Juries, London 
1862, 69; R. Wagner, Bayer. Kunst- u. Gewerbebl. 1865, 68; Moniteur 
scientif. 1865, 343; Wagn. Jaliresber. 1865, 323. 2 ) R. Wagner, Wagn. 
Jahresber. 1865, 249. 3 ) R. Wagner, Wagn. Jaliresber. 1867, 198; Patent 
No. 2866 vom 31. Oct. 1870 für J. H, Johnson; vgl. auch Geyger: Sal 
petersäure und ihre Salze, dieser Bericht S. 210. 4 ) Dingl. pol. J. CVI, 196. 
Wiener Weltausstellung. III. 41
	        
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