642 Gruppe III. Chemische Industrie.
der Auffindung des Bauxits wurde es von Neuem aufgenommen. Beson
ders haben die Herren Lechatellier und Jacquemart 1 ) in der Alu
miniumfabrik zu Nanterre und später zu Salindres den Bauxit zur
Fabrikation von Natronaluminat benutzt, indem sie das Mineral mit
Kochsalz mischten und über das Gemenge in einem geschlossenen Ge-
fässe oder besser in einem Flammofen bei hoher Temperatur Wasser
dampf leiteten. Hierbei muss offenbar viel Kochsalz verflüchtigt wer
den. Hr. Gossage liess sich im Jahre 1863 ein Patent ertheilen 2 ), nach
welchem wie bei Tilghmann ein Gemisch von Kochsalz- und Wasser
dämpfen auf erhitzte Thonerde einwirken. Immerhin ist die hohe Tem
peratur, Weissgluthhitze, ein schwer wiegendesHinderniss dieser Methode.
Hr. R. Wagner 3 ) hat den Vorschlag gemacht, die Fabrikation
der Soda und der Thonerdeverbindungen in der Weise vorzunehmen,
dass eine Lösung von Schwefelnatrium, durch Reduction von Na
triumsulfat mittelst Kohlenwasserstoffs erhalten, mit überschüssiger
Thonerde aus Bauxit gekocht werde. Der freiwerdende Schwefelwasser
stoff soll durch die Laming’sehe Masse absorbirt werden; das entstan
dene Natronaluminat wird in bekannter Weise auf Soda und Thonerde
weiter verarbeitet.
Wird Bauxitpulver mit massig verdünnter Schwefelsäure zu
sammen gebracht, so bildet sich unter starker Erwärmung Thonerde
sulfat in reichlicher Menge, das sich leicht durch heisses Wasser von
ungelöst gebliebener Kieselerde trennen lässt. Eisenoxyd löst sich
natürlich auch mit auf. Durch Eindampfen der Lösung zur Krystalli-
sation und Ablaufenlassen der Krystalle auf porösen Flächen lässt sich
nach Schwarz 4 ) der Eisengehalt übrigens fast vollständig entfernen.
Sehr beachtenswerth ist der Vorschlag desHrn. H. Grüneberg 5 ),
die lösliche Schwefelsäure des Kieserits zur Einwirkung auf Jen
Bauxit zu benutzen. Wird dieser in Salzsäure gelöst und die Lösung
von Aluminiumchlorid mit geringgradigem Stassfurter Kalisalz (Schönit)
und Kieserit versetzt, so scheidet sich alle Thonerde in Form von Alaun
ab, während in der Mutterlauge Chlormagnesium zurückbleibt. Folgende
Gleichung verdeutlicht den Vorgang:
Al ä Cl ( ; -(- K 2 S0 4 4- 3 Mg S0 4 =r Al 2 3 S0 4 , K 2 S0 4 + 3MgCl 2 .
7. Darstellung des Alauns aus Hohofenschlacken. Ein
Kunstproduct, das man seit einiger Zeit zur Darstellung von Thon-
] ) Wagn. Jahrestier. 1865, 327. 2 ) W. Gossage, London Journal of
arts, 1863, March, 154; Ding], pol. J. CLXVIII, 224: Wagn.Jahresber. 1863,
225. s ) R. Wagner, Bayer. Kunst- n. Gewerbebl. 1865, 68; Wagn. Jah
resber. 1865, 332. 4 ) H. Schwarz, Dingl. pol. J. CXCVIII, 158; Wagn.
Jahresber. 1870, 229. 6 ) H. Grüneberg, Ber. ehern. Ges. 1872, 840;
Ding], pol. J. CCVI, 465; Deutsche Industrieztg. 1872, 484.