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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Mittheilungen  über  Kryolith  u.  d.  darauf  gegründete  Industrie.  643
erdepräparaten  zu  verwenden  sucht,  und  welches  wir  weiter  oben  mit
Thon,  Kryolith  und  Bauxit  in  eine  Gruppe  gebracht  haben  x ),  sind  die
Hohofenschlacken.  Auf  diese  Verwendung  hat  wohl  zuerst  Hr.  Crossley
 2 )  aufmerksam  gemacht.  Es  lieferten  ihm  100  Tonnen  Schlacke
über  33  Tonnen  Kieselsäure  und  147  Tonnen  schwefelsaure  Thonerde.
Nach  den  Angaben  des  Hrn.  J.  Lürmann,  Betriebsingenieur  der
Georg  -  Marien-Hütte  bei  Osnabrück,  ist  die  beste  Verarbeitung-der
Schlacken  zu  diesem  Zwecke  die  folgende 3 ):  Die  in  Wasser  granulirte
Hohofenschlacke,  welche  20  bis  25p.C.  Thonerde  enthalten  muss,  wird
in  einem  mit  Rührwerk  und  Wasserverschluss  versehenen  Fasse  in  der
erforderlichen  Menge  Salzsäure  aufgelöst.  Durch  den  Schwefelcalciumgehalt ­
  der  Hohofenschlacke  entsteht  eine  Entwickelung  von  Schwefelwasserstoff ­
  und  wird  in  Folge  dessen  das  Eisen,  welches  bei  garen
Schlacken  x / 4  bis  1 / 2 p-(l  beträgt,  in  Form  von  Eisenoxydul  in  die
Lösung  übergehen.  Das  überschüssige  Schwefelwasserstoffgas  wird  in
höherstehende  Bottiche  in  Wasser  geleitet.  Die  Lösung  muss  einen
geringen  Ueberschuss  von  Säure  haben,  damit  keine  Schlacke  unzersetzt
  bleibt,  welche  sonst  bei  der  späteren  Auflösung  der  Thonerde
zersetzt  werden  und  deren  Salze  verunreinigen  würde.  In  die  Lösung
wird  jetzt  möglichst  reiner  kohlensaurer  Kalk  in  Stücken  gelegt  und
das  Fass  zur  Vermeidung  einer  Oxydation  des  Eisenoxyduls  zugedeckt.
Kohlensaurer  Kalk  fällt  alle  Thonerde,  aber  kein  Eisenoxydul,  was  von
grosser  Wichtigkeit  ist.  Es  wird  auch  das  Abdampfen  der  grossen
Salzmengen'  vermieden,  wodurch  an  Zeit  und  Brennmaterial  bedeutend
gespart  wird.  Nach  vollendeter  Fällung  der  Thonerde  tritt  Ruhe  in
der  Flüssigkeit  ein;  Kieselsäure  und  Thonerde  setzen  sich  auf  dem
Boden  des  Fasses  ab.  Man  decantirt  die  Flüssigkeit  und  dampft  sie
ab,  im  Falle  man  das  Chlorcalcium  gewinnen  will.  Die  Thonerde  und
Kieselerde  wäscht  man  mit  dem  erhaltenen  Schwefelwasserstoffwasser
in  dem  verschlossenen  Fasse  aus  und  erhält  so  eine  möglichst  eisenfreie
Thonerde,  welche  nach  Entfernung  der  übrig  gebliebenen  Kalksteinstücke ­
  mit  der  Kieselerde  zusammen  stark  getrocknet  und  dann  von
dieser  durch  Auflösen  in  Schwefelsäure  getrennt  wird.  Die  zurückbleibende, ­
  sehr  fein  vertheilte  Kieselsäure  wird  mit  Vortheil  zur  Darstellung ­
  von  Wasserglas  benutzt.  —  Aus  100  Pfd.  einer  Schlacke,
welche  etwa  25  p.C.  Thonerde,  42  p.C.  Kalk  und  31p.C.  Kieselsäure
enthält,  würde  man  durch  Auflösen  in  333  Pfd.  Salzsäure  von  34  p.C.
HCl  und  Auflösen  der  Thonerde  in  58‘5  Pfd.  Schwefelsäure  von
50°  B.  etwa  91  Pfd.  Chlorcalcium,  180  Pfd.  löslichen  Alaun  und
31  Pfd.  Kieselerde  erhalten.  Wenn  die  Schlacke  erheblich  weniger

*)  Vgl.  oben  S.  620.  2 )  Crossley,  Chem.  News  1869,  XX,  55;  Dingl.
pol.  J.  CXCIII,  518.  3 )  J.  Lürmann,  Dingl.  pol.  J.  CXOIV,  251;
Deutsche  Industrieztg.  1869,  455  ;  Wagn.  Jahresber.  1869,  295.
41  *
            
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