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Gruppe III. Chemische Industrie.
als 25 p. C. Thonerde enthält, so ist das Verfahren nicht mehr mit
Vortheil anwendbar.
8. Fabrikation von Alaun aus Niederschlägen, welche
' beim Entphosphoren der Eisenerze erhalten werden. Dieses
an das vorige ■ sich anschliessende Verfahren beruht auf der von Hrn.
J. Jacobi *) zu Kladno in Böhmen angegebenen Methode, durch welche
die Eisenerze von den vorhandenen unlöslichen basischen Phosphaten
befreit werden. Durch Behandlung der Erze mit schwefliger Säure
werden diese in saure lösliche Phosphate übergeführt. Aus der er
haltenen Lösung wird durch blosses Erhitzen ein Theil der Thonerde
und die Phosphorsäure abgeschieden. Dieser Niederschlag ist in seiner
Zusammensetzung nicht ganz constant. Er enthält etwa 20 bis 24 Proc.
Phosphorsäure, 22 bis 27 Proc. Thonerde, 1 bis 3 Proc. Eisenoxyd, 33
bis 38 Proc. Wasser, 8 bis 10 Proc. Schwefelsäure und 3 bis 7 Proc.
unlösliche Körper. Diese durch Erhitzen erhaltenen Niederschläge wer
den neuerdings in der chemischen Fabrik von C. ßademacher & Co.
in Prag zu Phosphaten für die Landwirthschaft und auf Alaun ver
arbeitet. Seit Beginn dieser Verwerthung der Kladnoer Phosphate am
Anfang des Jahres 1873 wurden bis September desselben Jahres etwa
1800 Centner Kalialaun aus denselben dargestellt. Der Alaun kommt
grösstentheils als krystallisirter Alaun in den Handel 2 ).
9. Fabrikation von Alaun aus Bodondophosphat. ln die
Gruppe der zuletzt betrachteten Materialien zur Darstellung von
Thonerdepräparaten können wir noch ein Mineral einreihen, welches,
unter dem Namen Kodondophosphat bekannt, in Westindien vorkommt
und aus Thonerde, Phosphorsäure und etwas Eisen besteht. Hr.
P. Spence 3 ) in Newton-Heath hat sich die Darstellung von Alaun aus
diesem Material patentiren lassen. Sein Verfahren ist das folgende.
Das Mineral wird klein gepocht, mit Kohle in Kalköfen bis zur Roth-
gluth erhitzt, und alsdann in bleiernen Pfannen mit Schwefelsäure von
re Vol.-Gew. übergossen. Um die Auflösung zu beschleunigen, leitet
man Dampf in die Mischung. Die Menge der Schwefelsäure hängt von
dem Thonerdegehalt des Minerals ab. Nach eingetretener Auflösung
wird die Flüssigkeit mit Wasser bis auf das Vol.-Gew. P45 verdünnt
und dann in geschlossene Bleigefässe gebracht, in welche ein Strom
von Ammoniakgas geleitet wird. Das Ammoniak wird durch Destil
lation der Gaswässer erhalten. Auf eine Tonne Mineral werden je nach
dem Thonerdegehalt 600 bis 900 Gallonen der ammoniakalischen Gas-
i) J. Jacobi, Dingl. pol. J. CCX, 245. a ) Nach A. Bauer, Bericht
über die chemische Grossindustrie, officieller Ausstellungsber., Wien 1874, 27.
3) P. Spence, Ber. ehern. Ges. 1871, 133; Dingl. pol. J. CC, 419; Wagn.
Jahresber. 1871, 343.