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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Eigenschaften und Anwendung der Thonerde und ihrer 
Verbindu nge n. 
Das Aluminiumoxyd, Al 2 0 3 , die Thonerde, ist ein weisser Körper, 
der im stärksten Ofenfeuer unschmelzbar ist; nur in der Hitze des 
Knallgasgebläses schmilzt es zu einem dickflüssigen Liquidum. Thon- 
erdehydrat, Al 2 (HO) 6 , wird durch Ammoniak aus Thonerdesalzen als 
weisse gelatinöse Masse gefällt, aus der Lösung eines Alkalialuminats 
durch Kohlensäure in krystallinischejn Zustande. Bei gelindem Er 
hitzen verliert es unter plötzlichem Erglühen und starker Zusammen 
ziehung sein Hydratwasser. Die Thonerde ist sowohl Basis als Säure 
und ist nach beiden Lichtungen hin für die Technik von grösster Wich 
tigkeit. Als feuerbeständige Säure vermag sie bei hoher Temperatur 
die Kohlensäure, den Schwefelwasserstoff, die Salpetersäure, die Schwe 
felsäure letztere beiden allerdings theilweise zersetzt und zwar 
erstere mit Untersalpetersäure gemengt, letztere als ein Gemisch von 
schwefliger Säure mit Sauerstoff — aus den Alkalisalzen dieser Säuren 
auszutreiben. Dadurch dass sie auch als Base fungiren kann , ist sie 
der Kieselsäure, mit der sie die Eigenschaft der Feuerbeständigkeit 
theilt, überlegen. Von hervorragendstem Nutzen ist die grosse Ver 
wandtschaft der Thonerde zu den Gespinnstfasern einerseits und den 
Farbstoffen (mit Ausnahme der Theerfarben) andererseits, wodurch in 
der Färberei und dem Zeugdruck die Verbindung des Farbstoffs mit 
der I 1 aser vermittelt wird. Aus diesen Eigenschaften ergiebt sich 
eine Menge von Anwendungen. 
Die Thonerde für sich, wie sie uns in der Form von Bauxit zu 
Gebote steht, kann ausser zu den bei der Beschreibung der Verar 
beitung des Bauxits erwähnten Processen — Sodafabrikation und Dar 
stellung von Thonerdeverbindungen — noch zu manchen anderen 
Zwecken verwendet werden. 
Man kann damit, wie Hr. Gaudin 1 ) zuerst für reine Thonerde 
gezeigt hat, Schwerspath, der mit Kohle gemengt ist, aufschliessen. Es 
entweicht schweflige Säure und es bildet sich in Wasser lösliches Ba- 
riumaluminat, welches durch theilweise Neutralisation mit Salzsäure in 
Chlorbarium und Thonerdehydrat übergeführt werden kann 2 ). Durch 
Hinzufügen von Schwefelsäure kann man unlösliches Permanentweiss 
und Thonerdesulfat erzeugen. Der Eisenoxydgehalt des Bauxits ist 
von keinem Nachtheil, da ja bekanntlich Baryt das Eisenoxyd aus seinen 
Lösungen vollständig fällt, also mit der Thonerde zusammen nichts in 
Lösung überführen kann. 
*) Gaudin, Compt. rend. LIV, 687; Dingl. pol. J. CLXIV, 379. a ) E. 
Wagner, Bayer. Kunst- u. Gewerbeblatt 1865, 68, Wagn. Jahresber. 1865, 332.
	        
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