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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

648

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
Kochen  einer  Lösung  von  12  Thln.  gewöhnlichem  Alaun  mit  1  Thl.  gelöschtem ­
  Kalk  erhalten  wird,  in  der  Färberei  und  Druckerei  oft  den
Vorzug  vor  dem  gewöhnlichen  Alaun,  da  alsdann  keine  saure  Reaction
die  Nuancen  der  Farben  beeinträchtigen  kann.
Das  eigentlich  wirksame  Princip  im  Alaun  ist  das  Aluminiumsulfat,
was  schon  daraus  erhellt,  dass  man  im  Alaun  ohne  Beeinträchtigung
seiner  Wirkung  das  Kaliumsulfat  durch  Natrium-  oder  Ammoniumsulfat ­
  ersetzen  kann.  Ls  liegt  daher  nahe,  das  Aluminiumsulfat  für
sich  allein  zu  verwenden.  Dieser  Körper,  der  „  concentrirte  Alaun“
des  Handels,  bildet  eine  weisse,  schwach  durchscheinende  Masse,  die
sich  mit  dem  Messer  schneiden  lässt.  Die  Gründe,  welche  sich  der
ganz  allgemeinen  Anwendung  dieser  Verbindung  entgegenstellen,  sind
einmal  ihreäusserst  leichte  Löslichkeit  in  Wasser  (1  Thl.  in  2  Thln.  kaltem ­
  Wasser);  sodann  ihre  schwere  Krystallisirbarkeit,  in  Folge  dessen
sie  nur  schwierig  von  einem  Eisengehalt  zu  befreien  ist.  Man  zieht
deshalb  in  allen  Fällen,  in  welchen,  wie  in  der  Färberei,  der  Eisengehalt ­
  von  Nachtheil  ist,  vor,  das  Aluminiumsulfat  mit  dem  obgleich
unwirksamen  und  theuern  Kaliumsulfat  zu  verbinden,  um  im  Alaun
eine  leicht  krystallisirbare,  eisenfreie  Verbindung  von  constanter  Zusammensetzung ­
  zu  erhalten.
Die  Anwendung  des  Alauns  ist  eine  sehr  mannigfaltige.  Die  wichtigste, ­
  die  als  Beizmittel  in  der  Färberei  und  Druckerei,  beruht  auf
der  vorhin  erwähnten  Affinität  der  Thonerde  zu-  der  Gespinnstfaser
einerseits,  zum  Farbstoff  andererseits.
Ueber  den  Einfluss  des  Alauns  auf  die  Wollfaser  hat  Hr.  Paul
Havrez  !)  Untersuchungen  veröffentlicht.  Derselbe  fand,  dass  kleine
Mengen  Alaun  die  Wirkung  haben,  im  Inneren  der  Wolle  Thonerdehydrat ­
  abzulagern,  dass  aber  bei  Anwendung  grösserer  Mengen  Alaun
die  abgelagerte  Thonerde  wieder  aufgelöst  wird,  und  die  Wolle  sich
also  bei  Behandlung  mit  grösseren  Mengen  Alaun  weniger  tief  und
auch  weniger  lebhaft  färbt,  als  bei  Behandlung  mit  geringen  Mengen.
Die  Einwirkung  des  Alauns  ist  eine  stärkere,  wenn  das  Bad  heiss  und
wenn  es  längere  Zeit  hindurch  angewendet  wird.  Hr.  Havrez  glaubte
diese  Erscheinung  durch  das  Vorhandensein  von  Kalk  im  gewöhnlichen
Wasser  erklären  zu  können.  Da  man  auch  annehmen  konnte,  es
rühre  die  auffallende  Wirkung  einer  kleinen  Menge  Alaun  gegenüber
der  grossen  von  der  kleinen  Menge  Alkali  her,  welches  die  Wolle  in
Gestalt  von  Soda  oder  Seife  aus  der  Wäsche  mitbrachte,  oder  welches
sich  in  der  Wolle  selbst  als  Ammoniak  entwickelt,  so  wusch  Havrez
die  Wolle  vorher  mit  schwach  salpetersäurehaltigem  Wasser  aus;  aber
auch  in  diesem  Falle  fand  eine  Zersetzung  des  Alauns  und  Ablagerung
■*)  P.  Havrez,  Etüde  de  l’alunage  des  laines  ä  teindre;  Bruxelles  1872.
Vgl.  Monit.  scientif.  1872,  598.  Reimann’s  Eärberztg.  1872,  250;  Dingl.
polyt.  J.  CCV,  491;  Wagn.  Jahresber.  1872,  702.
            
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