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Gruppe III. Chemische Industrie.
Kochen einer Lösung von 12 Thln. gewöhnlichem Alaun mit 1 Thl. gelöschtem
Kalk erhalten wird, in der Färberei und Druckerei oft den
Vorzug vor dem gewöhnlichen Alaun, da alsdann keine saure Reaction
die Nuancen der Farben beeinträchtigen kann.
Das eigentlich wirksame Princip im Alaun ist das Aluminiumsulfat,
was schon daraus erhellt, dass man im Alaun ohne Beeinträchtigung
seiner Wirkung das Kaliumsulfat durch Natrium- oder Ammoniumsulfat
ersetzen kann. Ls liegt daher nahe, das Aluminiumsulfat für
sich allein zu verwenden. Dieser Körper, der „ concentrirte Alaun“
des Handels, bildet eine weisse, schwach durchscheinende Masse, die
sich mit dem Messer schneiden lässt. Die Gründe, welche sich der
ganz allgemeinen Anwendung dieser Verbindung entgegenstellen, sind
einmal ihreäusserst leichte Löslichkeit in Wasser (1 Thl. in 2 Thln. kaltem
Wasser); sodann ihre schwere Krystallisirbarkeit, in Folge dessen
sie nur schwierig von einem Eisengehalt zu befreien ist. Man zieht
deshalb in allen Fällen, in welchen, wie in der Färberei, der Eisengehalt
von Nachtheil ist, vor, das Aluminiumsulfat mit dem obgleich
unwirksamen und theuern Kaliumsulfat zu verbinden, um im Alaun
eine leicht krystallisirbare, eisenfreie Verbindung von constanter Zusammensetzung
zu erhalten.
Die Anwendung des Alauns ist eine sehr mannigfaltige. Die wichtigste,
die als Beizmittel in der Färberei und Druckerei, beruht auf
der vorhin erwähnten Affinität der Thonerde zu- der Gespinnstfaser
einerseits, zum Farbstoff andererseits.
Ueber den Einfluss des Alauns auf die Wollfaser hat Hr. Paul
Havrez !) Untersuchungen veröffentlicht. Derselbe fand, dass kleine
Mengen Alaun die Wirkung haben, im Inneren der Wolle Thonerdehydrat
abzulagern, dass aber bei Anwendung grösserer Mengen Alaun
die abgelagerte Thonerde wieder aufgelöst wird, und die Wolle sich
also bei Behandlung mit grösseren Mengen Alaun weniger tief und
auch weniger lebhaft färbt, als bei Behandlung mit geringen Mengen.
Die Einwirkung des Alauns ist eine stärkere, wenn das Bad heiss und
wenn es längere Zeit hindurch angewendet wird. Hr. Havrez glaubte
diese Erscheinung durch das Vorhandensein von Kalk im gewöhnlichen
Wasser erklären zu können. Da man auch annehmen konnte, es
rühre die auffallende Wirkung einer kleinen Menge Alaun gegenüber
der grossen von der kleinen Menge Alkali her, welches die Wolle in
Gestalt von Soda oder Seife aus der Wäsche mitbrachte, oder welches
sich in der Wolle selbst als Ammoniak entwickelt, so wusch Havrez
die Wolle vorher mit schwach salpetersäurehaltigem Wasser aus; aber
auch in diesem Falle fand eine Zersetzung des Alauns und Ablagerung
■*) P. Havrez, Etüde de l’alunage des laines ä teindre; Bruxelles 1872.
Vgl. Monit. scientif. 1872, 598. Reimann’s Eärberztg. 1872, 250; Dingl.
polyt. J. CCV, 491; Wagn. Jahresber. 1872, 702.