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Gruppe III. Chemische Industrie.
anwendet, so löst sich die Thonerde weit leichter in Essigsäure, als bei
Anwendung von Kohlensäure. Im letzteren Falle soll die Löslichkeit
der Thonerde in Essigsäure durch das' Festhalten merklicher Mengen
Natriumcarbonats bedeutend erschwert werden. Nach Hrn. R. Wagner
1 ) wird dieser Uebelstand gehoben, wenn die mittelst Kohlensäure
gefällte Thonerde nach der Trennung von der Sodalösung einige Tage
mit -einer Lösung von essigsaurer Thonerde, welche etwas freie Essigsäure
enthält, oder mit Chloraluminiumlösung digerirt wird.
Las Aluminiumacetat kommt nicht in den Handel, sondern wird
von den Consumenten selbst bereitet. Häufig wird es nicht in reinem
Zustande, sondern in Form einer Mischung von Alaun, Kaliumacetat
und Kaliumsulfat verwendet. Es bildet dann die Rothbeize (Mordant
rouge). Hr. J. M. Lyte 3 ) bereitet essigsaure Thonerde, indem er phosphorsaure
Thonerde in Phosphorsäure löst und die Lösung mit Bleiacetat
fällt. Es bleibt Aluminiumacetat in Lösung. Das Bleiphosphat
wird auf Phosphorsäure oder Phosphor verarbeitet.
Häufig werden der Rothbeize noch andere Stoffe hinzugesetzt, die
deren schnelles Eintrocknen auf den Stoffen verhindern sollen, z. B.
Glycerin, Chlorzink, Kochsalz. Als Mordant für Theerfarben ist von
Hrn. Schultz 3 ) eine Mischung von essigsaurer Thonerde und arsenigsaurem
Natron vorgeschlagen worden.
Die Darstellung einer eisenfreien Thonerdebeize direct aus Kryolyth
beschreibt Hr. H. C. Hahn 1 ). 100 Gewthle. Kryolith, fein zerkleinert
und geschlämmt, werden mit 88 Gewthln. gebranntem Kalk, der vorher
zu Kalkmilch gelöscht ist, vermischt, etwas verdünnt und alsdann in
einem Holzbottich, an welchem sich durchaus kein Eisen befindet, mittelst
Wasserdampf erhitzt. Die Zersetzung nach dem Kochen ist vollständig.
Die ganzeMasse soll jetzt 1000 Gewthle. oder circa 840 Volumtheile
betragen. Nach dem Absetzen des Fluorcalciums wird die klare
Lauge abgezogen und mit dem ersten Waschwasser auf 10° B. verdünnt.
Die Natriumaluminatlösung wird genau mit technischer Holzessigsäure
neutralisirt, wozu etwa 236 Gewthle. von 6° B. erforderlich
sind. Nach längerem Klären werden 3 / 3 der Salzlösung abgezogen,
welche reines Natriumacetat liefern. Die zurückbleibende Masse versetzt
man mit 1 / 3 der früher verbrauchten Menge Essigsäure und etwa
46 Gewthln. Schwefelsäure von 1'83 Vol.-Gew. Man erhält dann die Lösung
eines Salzes, welches durch die Formel Na 2 S0 4 + A1 2 (S0 4 .
4 C 2 H 3 0 2 ) auszudrücken ist. Die Beize ist farblos und völlig eisenfrei.
Zum Beizen von Baumwollzeugen wird nach Hrn. E. Kopp’s Vorschlag
auch Aluminiumhyposulfit verwendet.
’) E. Wagner, Wagn. Jahresber. 1864, 272. 2 ) Byte, Chemie. News
1873, XXVII, 323. ä ) Schultz, G<$nie industriel 1864, 100. 4 ) H. C.
Hahn, Berg- u. Hüttenmänn. Ztg. 1870, 67; Deutsche Industrieztg. 1870, 96;
Wagn. Jahresber. 1870, 232.