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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
lassen sich in dieser Weise Nachahmungen von lithographischen Stei 
nen aus feinkörnigem Kalk hersteilen. Kreide erlangt dadurch die 
Härte des Flussspaths, wird also härter als Marmor. Die Thonerde, 
welche die Poren der Steine ausfüllt und ihre Oberfläche überzieht, 
schützt dieselben nicht nur vor dem Eindringen von Staub und Feuch 
tigkeit, sondern gestattet wegen ihrer Unlöslichkeit auch, Wasser und 
Staub bis auf die letzte Spur von der Steinoberfläche wegzuwischen. 
Herr M. Lewin ') imprägnirt die Sandsteine der Saxoniabrüche 
in Neuendorf bei Pirna mit kieselsaurer Thonerde. Die Kieselsäure 
wird als Kali Wasserglaslösung, die Thonerde als Aluminiumsulfat auf 
den Stein gebracht. Nach dem Imprägniren kann man den Stein poli- 
ien wie Marmor. Durch Zusatz von Farbstoffen zu den aufzutragenden 
1'lüssigkeiten kann man ihm jede beliebige Färbung ertheilen. Wird 
der imprägnirte Stein hohen Temperaturen ausgesetzt, so erhält er 
eine Art Verglasung. Seine Widerstandsfähigkeit gegen Feuer, Luft 
und Feuchtigkeit soll vorzüglich sein. 
Bei dem als französischer Cement, Alaungyps (plätre ahme) 
bekannten und geschätzten Material zur Bereitung von Stuck u. s. w. 
liegt nach neueren Untersuchungen des Herrn Landrin 2 ) der Grund 
des langsamen Erhärtens und der bedeutenden Härte des Materials 
nicht in der Behandlung des Gypses mit Alaunlösung, sondern in der 
Neutralisation des im natürlichen Gyps in grösserer oder geringerer 
Menge enthaltenen kohlensauren Kalks durch Schwefelsäure. 
Behandeln des Gypses mit Schwefelsäure allein gab Plerr Land- 
rin bessere Resultate als das bisherige Verfahren mit Alaunlösung 
(s. den Artikel Calcium, S. 543). 
Das Natronaluminat wird nach den ,, Chemical News“ 3 ) viel 
fach bei der Fabrikation von Milchglas (Halbporcellan), aus welchem 
man z. B. die Glocken für Gasflammen herstellt, an Stelle des Kryo- 
liths (vergl. o. S. 638) verwendet. Es wird dabei das Auftreten von 
Fluorsiliciumgas, welches bei Anwendung von Kryolith die Glashäfen 
stark angreift, vermieden. Bei der Bildung des Glassatzes werden 13/ 4 
Ctr. Kryolith und Vio Ctr. calcinirte Soda durch 1 Ctr. Natronaluminat 
ersetzt. Das Aluminat aus den Kryolith- oder Bauxitfabriken ist völlig 
frei von Eisen, was beim Kryolith selbst niemals der Fall ist, 
Die übrigen höchst mannigfachen Verwendungsweisen, welche der 
Alaun und die Thonerdeverbindungen überhaupt erfahren, dürfen, da 
das letzte Decennium in dieser Beziehung keine besonderen Fortschritte 
zu verzeichnen hat, unerwähnt bleiben. 
„ ') Le will, Polyt. Notizbl. 1874, Nr. 23. 2 ) Landein, Compt. rend. 
LXXIX, 658; vgl. auch Ber. chem. Ges. 1874, 1544. 8 ) Chemie. News 1870, 
317; Dingl. pol. J. CXCVI, 412; Deutsche Industrieztg. 1870, 258: Wagn.' 
Jahresber. 1870, 231.
	        
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