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Gruppe III. Chemische Industrie.
eingeengt war, in Folge Erschliessung einer unlimitirten Fabrikation
wesentlich steigen und in vielen Zweigen der Lechnik wird die Potasche
wieder den Platz einnehmen, aus welchem sie früher von der Soda als
dem billigeren und stets in gleichmässiger Qualität zu erhaltenden Alkali
verdrängt war; in anderen technischen Branchen, wie z. B. in der Glas
fabrikation, wird man die bedeutenden Yortheile, welche bei Zuhilfe
nahme des Kalis als Sulfat oder Carbonat durch schnelleres Blank
schmelzen, zumal an Farbe der Masse etc. erwachsen, ebenfalls bald
erkennen.
Wie schon bemerkt, existirt in Stassfurt bisher nur eine Potasche
fabrik — Stassfurter Chemische Fabrik, vormals Yorster &
Grüneberg, Actiengesellschaft —, welche Potasche aus im Sul
fatofen mittelst Schwefelsäure dargestellten Kaliumsulfat herstellt; die
meisten anderen Potaschefabriken sind mit älteren Sodafabriken combi-
nirt, welche für Bezug von Steinkohle, Schwefelkies etc. eine günstigere
Lage haben, als die auch wegen ihrer hohen Feldcultur für die unver
meidlichen Salzsäureemanationen besonders ungeeignete Umgebung von
Stassfurt -Leopoldshall.
Das Quantum Potasche, welches aus Stassfurter Chlorkalium nach
dem Lebfanc’schen Verfahren dargestellt wird, dürfte 150 000 bis
200 000 Centner betragen, lässt sich also noch wesentlich erhöhen.
Die für Sodagewinnung vorgeschlagenen neuen Methoden von Schlös-
sing-Solvay, und von Grousilliers sind, soweit dem Verfasser
bekannt, für Potaschedarstellung noch nicht angewendet, beziehungs
weise wegen der leichteren Löslichkeit des Kaliumbicarbonats nicht an
wendbar. Vergleiche auch die demnächst folgenden Aufsätze: Fabri
kation der Potasche von Dr. H. Grüneberg und die Soda - Industrie
von Prof. H. L a n d o 11.
D. Glaubersalz.
Die Verwendung des schwefelsauren Magnesiums und des Chlor
natriums der Löserückstände zu der seit lange auf vielen Salinen,
wie auch von Balard für Seesalzmutterlaugen und gelösten Tlännen-
stein ausgeführten Glaubersalzgewinnung, hatte bei ihrer Einfüh
rung in die Stassfurter Industrie erst die sehr bedeutenden tech
nischen Schwierigkeiten zu beseitigen, welche sich einer geregelten
und raschen Darstellung und Verarbeitung grösserer Laugenmassen
in der kurzen kalten Winterzeit entgegenstellten. Der anscheinend
nahe liegenden Benutzung von Eismaschinen, um mit deren Hilfe die
Fabrikation unabhängig von der Aussentemperatur im ganzen Jahre
zu betreiben, stellte sich der ziemlich bedeutende Aufwand, welchen