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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

lieber den Kryolith von Grönland und 
die darauf gegründete Industrie. 
Von Alfred Benzon, 
Fabrikbesitzer in Kopenhagen. 
Ajn Sehkisse des vorigen Jahrhunderts hatte man in Ivitüt, ge 
legen an der Arsukbucht in Südgrönland, ein eigentümliches Mineral 
gefunden, welches Andrada, weil es dem Eise ähnlich sah, Eisstein 
oder Kryolith nannte. Eine chemische Untersuchung von Abildgaard 
zeigte, dass aus dem Mineral Fluorwasserstoffsäure, Thonerde und ein 
Alkali, welches für Kali gehalten wurde, zu erhalten sei. Klaproth 
wies nach, dass das Alkali Katron sei. Dies erregte in hohem Grade 
Aufmerksamkeit, da hiermit zum ersten Male Natron im Mineralreich 
gefunden worden war. Mehr als ein halbes Jahrhundert verstiich, 
bevor die Wissenschaft zeigte, welche grosse Bedeutung der Kryolith 
für die Industrie habe. Weitere Untersuchungen, namentlich von 
Vauquelin, Berzelius und Deville stellten die Zusammensetzung 
des Minerals als Al 2 Fl«, 6 NaFl fest. 
Lange Zeit hindurch wusste man von den Eigenschaften des Kryo- 
liths nur, dass es ein leicht schmelzbares Mineral sei, welches von 
Schwefelsäure unter Fluorwasserstoffentwickelung zersetzt werde. In 
den Jahren 1849 bis 1850 wies Julius Thomsen nach, dass der 
Kryolith mit Leichtigkeit durch Kalk und Kalksalze sowohl auf trock- 
nem, als nassem Wege zersetzt werde. Auf dieser so spät erst ge 
machten Beobachtung beruht die ganze Kryolithindustrie. 
Hr. Thomsen, zur Zeit Professor der Chemie in Kopenhagen, 
suchte nun seine Beobachtung technisch auszunutzen. Er eilangte für 
längere Zeit das Privilegium, Kryolith zu brechen und überall in 
Dänemark Natron und Thonerdepräparate daraus darzustellen. Für 
das Brechen und die Verschiffung in Fahrzeugen, welche dem „kömg-
	        
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