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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Mittheilungen  über  Kryolith  u.  d.  darauf  gegründete  Industrie.  073
unten,  während  die  der  anderen  Feuerung,  welche  am  entgegengesetzten ­
  Ende  des  Ofens  angebracht  ist,  vereint  mit  der  Flamme  der  ersten
Feuerung  den  Herd  von  oben  erwärmt.  Die  entgegengesetzte  Lage
der  Feuerungen  bewirkt,  dasä  der  Rauch  aufgezehrt  wird  und,  eine
gleichmässige  Erwärmung  des  ganzen  Herdes  stattfindet.  Dadurch,
dass  die  Flamme  nach  Passirung  des  Herdes  auch  über  das  Gewölbe
des  Ofens  streicht,  wird  die  Abkühlung  desselben  verhindert.  Die  Länge
des  Ofens  beträgt  etwa  13  bis  15  Fuss  und  dessen  Breite  8  Fuss,  welches ­
  also  die  Spannweite  des  Bogens  ist,  während  die  Krümmung  desselben ­
  nur  12  Fuss  beträgt.  Ein  Ofen  hat  nach  sechsmonatlicher  Benutzung, ­
  bei  der  23  000  Centner  des  Gemisches  geglüht  wurden,  keiner
Reparatur  bedurft.  Der  Verbrauch  an  Heizmaterial  beläuft  sich  auf  '/ s
der  Mischung.
Die  geglühte  Masse  wird  mit  Wasser  ausgelaugt,  wobei  Natriumalnminat
  in  Lösung  geht,  während  Fluorcalcium  ungelöst  zurückbleibt.
Das  Auslaugen  geschieht  durch  Deplacement  in  conischen  hölzernen
Behältern  mit  Doppelboden;  bei  richtigem  Verfahren  hat  die  Lauge  eine
Stärke  von  ungefähr  33°  B.
Die  Kohlensäure,  mit  der  die  Natriumaluminatlösung  gefällt  wird,
erzeugt  man  in  einem  Kryolithofen  durch  Verbrennung  von  Cinders.
Man  muss  sich  beim  Einleiten  derselben  vor  einer  Uebersättigung  hüten,
da  Natriumbiearbonat  die  Klärung  sehr  hindert.  Nachdem  die  Thonerde ­
  sich  abgelagert  hat,  wird  die  klare  Sodalösung  durch  die  nicht
verbrauchte  Wärme  der  Glühöfen  eingeengt.  Wenn  dann  die  concentrirte
  Lauge  8  bis  10  Tage  der  Ruhe  überlassen  ist,  krystallisirt  die
Soda  grösstentheils  aus,  welche  dann,  von  der  Mutterlauge  befreit  und
getrocknet,  gangbare  Handelswaare  bildet.
Die  leicht  verwitternden  Krystalle  der  reinen  Soda  waren  keine
beliebte  Handelswaare,  weshalb  man  sie  anfangs,  als  man  reinen  Kryolith ­
  verarbeitete,  durch  Zusatz  von  schwefelsaurem  Natrium  dem  englischen ­
  Fabrikate  ähnlich  machen  musste.  Später,  als  weniger  reiner
Kryolith  verarbeitet  wurde,  bildete  sich  durch  Oxydation  der  beigemengten ­
  Schwefelmetalle  (Bleiglanz,  Kupferkies,  Schwefelkies)  eine  hinreichende ­
  Menge  Schwefelsäure.
Der  aus  der  Lauge  gefällte  Niederschlag  ist  nicht  reine  Thonerde,
sondern  eine  constante  Verbindung  von  Thonerde,  Natron,  Kohlensäure
und  Wasser,  bestehend  aus:
45  Proc.  Thonerde,
20  „  Natriumcarbonat,
35  „  Wasser.
Einen  feinkörnigen  Bodensatz  bildend  scheidet  er  sich  leicht  aus  der
Sodalange  ab.
Die  Natriumverbindung  kann  von  der  Thonerde  nur  durch  langdauerndes ­
  Auswaschen  mit  kochendem  Wasser  vollständig  getrennt
Wiener  Weltausstellung.  III.  43
            
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