686
Gruppe III. Chemische Industrie.
mittheilen. Bemerkenswerth ist in dem qualitativen Verhalten des
i othen Ultramarins, dass heim Zersetzen mit Säuren nur schweflige
Säure und kein Schwefelwasserstoff als Zersetzungsproduct übrig bleibt.
Da diese Verbindungen von dem eigentlichen Zweck dieses Berichtes
zu weit entfernt liegen, mag es der nächstkommenden Zeit Vorbehalten
bleiben, zu zeigen, ob und welche Rückwirkung die nähere Untersuchung
derselben auf die Kenntniss der Constitution und Bildungsweise der
Ultramarinverbindungen und auf die Entwickelung der Ultramarin
industrie ausüben wird.
In dem statistischen Theil früherer Weltausstellungsberichte wurde
des lebhaften und stetigen Aufschwungs gedacht, welchen die Ultramarin
industrie von derZeit ihrer Entstehung an fortwährend genommen hat.
Aehnliches ergiebt auch jetzt wieder die nachfolgende statistische
Betrachtung für den Zeitraum von 1862 bis 1873.
Die Betheihgung der Ultramarinfabriken an der Weltausstellung
zu Wien war eine sehr zahlreiche; etwa % der jetzt bestehenden Fa
hl iken waren daselbst vertreten. Trotzdem hat es der Berichterstatter
für zweckmässig gehalten, seine Betrachtungen nicht auf diese zu be
schränken, sondern statistische Erhebungen bei allen zur Zeit bestehenden
Ulti amarinfabriken zu machen. Dank dem bereitwilligen Entgegen
kommen der grossen Mehrheit derselben wurde ein sehr vollständiges
Material zusammengebracht und daraus die Tabelle a. S. 688 u. 689 ent
worfen. In derselben sind die in Wien vertreten gewesenen Firmen
mit fetter Schrift hervorgehoben und alle Zahlen, welche nicht auf
eigenen Mittheilungen, sondern auf Schätzung beruhen, in Klammern
gesetzt.
Hiernach hat sich die Zahl der Fabriken seit 1862 in Deutschland
um sieben, in Oesterreich um eine vermehrt und ist in Belgien und
Frankreich unverändert geblieben. Hierbei ist jedoch zu berück
sichtigen, dass in demselben Zeitraum auch mehrere Fabriken einge
gangen sind, welche hier nicht weiter beachtet werden konnten. Die
Production hat sich im Verhältniss von 100 : 240; Arbeiterzahl und
Betriebskraft ungefähr wie 100 : 200 vermehrt. Die Zunahme der Pro
duction entfällt hauptsächlich auf die Fabriken, welche schon 1862 be
standen und unter diesen vorzugsweise auf die deutschen.
In den angeführten Productionsmengen wurde kein Unterschied
zwischen blauem und grünem Ultramarin gemacht, weil letzteres nur
einen sehr kleinen Bruchtheil der Production im Ganzen bildet.
Zu den von früher her bekannten Verwendungen des Ultramarins
ist seit 1862 keine neue hinzugekommen, doch nimmt jetzt eine schein
bar sehr untergeordnete Verwendung ansehnliche Mengen desProductes
in Anspruch und ist noch in besonders lebhafter Zunahme begriffen,
nämlich die zum Bläuen der Wäsche. Hierfür wird das Ultramarin
in kleine Kugeln geformt in den Handel gebracht. Allein aus dem