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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

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Stassfurter Kaliindustrie. 
Darstellung von Glaubersalz in Bittersalzform jetzt fast ganz aufgehört, 
da der Preis von Bittersalz und Glaubersalz jetzt nahezu gleich steht. 
Die bedeutendsten Anlagen für Glaubersalzgewinnung und Ver 
arbeitung sind die der Verein igtenActiengesellscha ft Leopolds 
hall, welche nach den bei Ziervogel & Tuchen gesammelten Erfah 
rungen von Ij. W. Ziervogel projectirt, später noch vom Verfasser 
in Gemeinschaft mit Dr. Georg Borsche erweitert und verbessert 
worden sind, so djiss in denselben im Winter 1872/73 circa 75 000Ctr., 
im Winter 1873/74 circa 150000 Ctr., im Winter 1874/75 endlich 
250 000 Ctr. rohes Glaubersalz gewonnen und weiter verarbeitet wur 
den. Die Kühlapparate haben jetzt 12 000 qm Oberfläche und liefern 
bei günstigen Nächten bis zu 3000 Ctr. rohes krystallisirtes Glaubei- 
salz in 24 Stunden. Die Weiterverarbeitung des gewonnenen rohen 
Glaubersalzes zu Soda findet bisher in Stassfurt noch nicht statt, dürfte 
aber mit der Zeit auch in Angriff genommen werden müssen, da nament 
lich der Markt für krystallisirtes Glaubersalz ein sehr beschränkter ist 
und überdies bei der Unsicherheit der von äusseren Verhältnissen völlig 
abhängigen Production vorherige Abschlüsse mit den Consumenten von 
calcinirtem Sulfat — Glashütten etc. — immer nur in beschränktem 
Umfange möglich sind. Bei einer regelmässigen Verarbeitung der 
Löserückstände sämmtlicher Kalifabriken in Stassfurt - Leopoldshall 
dürfte bei jetziger Rohsalzförderung ein mittlerer Ertrag von 700 000 Ctr. 
rohem krystallisirtem Glaubersalz resultiren (= 230 000 bis 240000 Ctr. 
calcinirter), da es aber vielen Fabriken an genügenden Räumen zum 
Aufstürzen der Rückstände etc. fehlt und die erforderlichen Anlagen 
auch kostspielig sind, so werden diese die Kieseritwäsche stets der 
mühsameren Glaubersalzfabrikation vorziehen. 
Verwerthung der letzten Laugen. 
Die bei der Verarbeitung des Carnallitsalzes wie der Kainite und 
auch bei der Glaubersalzgewinnung fallenden letzten Laugen, welche 
als wesentlichsten Bestandtheil Chlormagnesium enthalten und ein Jahres 
quantum von 2 bis 3 Millionen Centner (100 000 bis 150000 Tonnen) 
trockenes Chlormagnesium repräsentiren, haben bisher noch nicht die 
Beachtung in der Technik gefunden, welche dieser Verbindung wegen 
ihrer mannichfaehen schätzenswerthen Eigenschaften gebührt und die 
hier kurz erwähnt werden mögen, um zu deren weiterer Ausnutzung 
anzuregen. Die wesentlichen physikalischen Eigenschaften des Chloi- 
magnesiums sind: Grosse Hygroskopicität, leichte Löslichkeit und gros 
ses Volumgewicht der Lösungen, die chemischen: leichte Zersetzbarkeit 
des wasserhaltigen Salzes in der Hitze in Salzsäure und Magnesia und 
Zerlegung desselben durch alle Alkalien und alkalischen Erden.
	        
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