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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

lieber den Einfluss der chemischen Forschung auf 
die Entwickelung der Porzellanindustrie. 
Von C. Sarnow. 
Chemiker der königl. Porzellanmanufaotur za Berlin. 
Das Porzellan, welches im Anfänge dieses Jahrhunderts noch als 
grosser Luxusgegenstand betrachtet wurde und wegen seines hohen 
Preises nur in den Häusern der Wohlhabenden zu finden war, ist jetzt 
als Gebrauchsgeschirr überall eingeführt und fast in jeder Haushaltung, 
auch der aufs Sparsamste eingerichteten, vertreten. Das Geheimniss, 
mit welchem früher die Fabrikation betrieben wurde, ist verschwunden 
und würde sich auch bei dem heutigen Stande der Wissenschaft nicht 
mehr behaupten können. Eine grosse Anzahl Fabriken ist in neueier 
Zeit ins Lgben getreten, neue Kaolinlager sind aufgefunden, die Hand 
arbeit in den Fabriken ist, wo es ging, durch mechanische Arbeit 
ersetzt worden und die Concurrenz wacht jetzt darüber, dass die im 
gewöhnlichen Leben gebräuchlichen Producte der 1 abrikation nicht 
allein so billig wie möglich dem Publicum zugänglich gemacht werden, 
sondern auch an Güte mit einander wetteifern und gemäss ihrer Güte 
bezahlt werden. Es sind dies Erscheinungen, welche entschieden auf 
einen Fortschritt der Industrie schliessen lassen. 
Die grössere Nachfrage und der gesunkene Preis der gewöhnlichen 
Gebrauchsartikel gehen uns aber noch kein wahres Bild von dem heu 
tigen Standpunkte der Porzellanindustrie; dasselbe erhalten wir erst, wenn 
wir die feineren Erzeugnisse in Betracht ziehen, welche die Technik 
nur im Verein mit Kunst und Wissenschaft hervorbringen kann, bei 
deren Darstellung es weniger darauf ankommt, ein billiges Fabrikat 
herzustellen, als ein schönes, für die Ausschmückung unserer W ohnun 
gen erwünschtes, welches den Anforderungen des höheren Luxus genügt. 
Dass die Porzellanindustrie auch in dieser Richtung bemüht gewesen 
ist, Fortschritte zu machen, haben die neuesten internationalen Indu 
strieausstellungen zur Genüge bewiesen. Sowohl in Paris wie in Wien 
waren ihre Producte umfassend vertreten und fast aus allen Ländern, 
welche überhaupt Porzellan fabriciren, waren dieselben eingegangen.
	        
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