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Gruppe III. Chemische Industrie.
Eine grosse Anzahl von Kritikern spricht sich mehr oder weniger
lobend über sie aus. Alle beurtheilen aber hauptsächlich nur den künst
lerischen Theil derselben, die Gestaltung und die Malerei. Der Antheil,
welchen die Wissenschaft, die Chemie und Physik, an ihrer Darstel
lung hat, springt weniger in die Augen und es ist wohl die Frage be
rechtigt, ob überhaupt die Chemie in den letzten zehn Jahren der Por-
zellanindustrie erhebliche Dienste geleistet hat. Ihr Einfluss ist jeden
falls nicht zu verkennen. Wir begegnen den Spuren ihres Schaffens
fast in allen Stadien der Fabrikation. Dieselben liegen indess nicht
immer klar zu Tage, sondern lassen sich oft nur auf indirectem Wege
erkennen. s
Was zunächst die Zusammensetzung der Massen betrifft, welche
zur Erzeugung des Porzellans dienen , so ist dem Fabrikanten leider
eine entschieden conservative Richtung vorgezeichnet, denn abgesehen
davon, dass eine Aenderung der Masse auch leicht eine Aenderung der
Glasur und des zum Gutbrennen nöthigen Feuergrades bedingt, ist es
schwierig, der neuen Masse die gleiche Schwindung zu sichern, welche
die ältere besessen und doch ist dies nöthig, da die Gegenstände, welche
eine F abrik einmal fabncirt hat, ergänzt werden sollen und einander
also möglichst ähnlich, vor Allem aber an Grösse gleich sein müssen
Die Formen und Modelle indess, welche ein bedeutendes Capital der
Fabrik repräsentiren, können unmöglich gleichzeitig mit der Masse
auch verändert werden. Jeder Fabrikant scheut sich deshalb, an
den erprobten und als gut erkannten Zusammensetzungen seiner
Masse Veränderungen vorzunehmen; aber so sehr er sich auch da
gegen sträubt, ist er doch oft gezwungen, von den älteren Vorschriften
abzuweichen, da die Erde, welche er verwendet, auch wenn sie von
derselben Lagerstätte kommt, sich bisweilen etwas in ihrer Zusammen
setzung und natürlich auch in ihren Eigenschaften ändert. Jede Aen
derung der Erde aber macht natürlich*auch eine Aenderung der Zusätze
nöthig. Ebenso kann der Fall eintreten, dass das bis dahin verwen-
_ dete Rohmaterial sich durch besseres ersetzen lässt, oder dass eine ganz
•neue Masse in die Fabrikation eingeführt werden soll; stets ist es
nüthig, um kostspielige und oft langwierige Versuche zu vermeiden,
eine genaue Kenntniss der Rohmaterialien zu besitzen. Zur Prüfung
und Feststellung des Werthes der Rohmaterialien fehlten aber bis
dahin geeignete Methoden. Bei Feldspath und Quarz machte sich dies
weniger fühlbar, weil der Werth bei diesen hauptsächlich auf Rein
heit und Abwesenheit färbender Substanzen beruht, anders aber ist es
bei dem Thon. Man wird allerdings bei der Werthschätzung eines
Kaolins, welcher zur Darstellung von Porzellan benutzt werden soll,
vorzugsweise auch auf die weisse Farbe sehen, welche er nach dem
Brennen zeigt; diese ist indess nicht allein maassgebend, sondern man
muss ihn, wie die Thone secundärer Lagerstätte, welche als Material