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Gruppe III. Chemische Industrie.
Bisherige Verwendung der letzten Langen. Wie schon
erwähnt enthalten die Abraumsalze einen kleinen Bruchtheil Brom,
welches sich in den letzten Laugen anhäuft und daraus von dem Ver
fasser fabrikmässig gewonnen wird 1 ); ebenso hat der Bromgehalt der
letzten Laugen dem Verfasser Anlass gegeben, aus diesen und aus den
ausgekochten Salzen Mischungen herzustellen, welche den verschiedenen
für medicinische Zwecke benutzten Bade- und Mutterlaugensalzen
(Kreuznacher, Rehmer, Wittekinder, Kösener, Gottschalkowitzer etc.)
nach Beschaffenheit, Zusammensetzung und medicinischer Wirkung
völlig entsprechen und da sie bedeutend billiger sind, als die „natür
lichen“ Badesalze, auch die Verwendung für weniger Bemittelte, sowie
für giosse Badeanstalten, Lazarethe etc. ermöglichen. Nach demselben
Princip hat der i erfasser künstliches Seewasser der verschiedenen Meere
(Ostsee, Nordsee, Atlantischer Ocean etc.) für Bäder und Aquarien her
gestellt, für dessen richtige Zusammensetzung der Beweis damit geliefert
wurde, dass die Fische der betreffenden Gewässer darin fortlebten und
gediehen. Bei dem zunehmenden Seefischhandel nach dem Inlande
wird es mit Hilfe solcher Seesalzgemische aber auch möglich sein, im
Binnenlande mit geringen Kosten grössere Seewasserbassins herzustellen
und darin diei Fische für den Verkauf lebendig zu erhalten.
Als weitere und zurZeit bedeutendste Verwendung der Stassfurter
Endlaugen muss die von Joseph Townsend, Port Dundas Glasgow,
erfolgte Einführung des Chlormagnesium für die Webwaarenfabrikation
an erster Stelle erwähnt werden. Es ist bekannt, dass Ketten- und
Schussfäden bei der Weberei schon seit langer Zeit mit gewissen
Schlichtmaterialien (Stärke-, Isländisch- oder Caragheenmooskleister)
getränkt wurden, damit die Fäden fester wurden und namentlich auf
den Dampfwebstühlen nicht so leicht abrissen (brachen), da indessen
diese Materialien leicht schimmelten und trockneten, so mussten sie
mit verschiedenen nicht immer unschädlichen antiseptischen Mitteln
versetzt werden; noch schlimmer aber für die Gesundheit der dabei
beschäftigten Arbeiter war es, dass man die Webstühle, um das Trocknen
der Schlichte zu verhindern, in Räumen aufstellte, die entweder an sich
feucht waren (Keller etc.) oder in denen durch Einleiten von Wasser
dampf künstlich eine feuchte Atmosphäre geschaffen wurde.
Die Einführung des Chlormagnesium als Zusatz zu den Schlichten,
welche man Townsend verdankt, hat diese üebelstände nicht nur
beseitigt, indem das Präparat die Schlichten vor Zersetzung schützt
und durch seine Hygroskopicität den Faden ohne künstliche Anfeuch
tung geschmeidig erhält, sondern die Luft in den Arbeitsräumen ist
noch wesentlich dadurch verbessert, weil das Chlormagnesium das mit
den Ausdünstungen der Arbeiter exhalirte Ammoniak absorbirt. In
’) Vergl. den Aufsatz über Brom S. 127 dieses Berichtes.