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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 20

Porzellan - Industrie. 699 
Gewalt und wird bei einiger Erfahrung es sicher dahin bringen, dass 
der Ausfall beim Brennen ein verschwindend kleiner werden wird. 
Einige Schwierigkeiten sind bei der Gasfeuerung allerdings zu 
überwinden.. Es ist z. B. nicht leicht, die Mengen von Gas und Luft 
einander so anzupassen, dass weder ersteres, noch letztere vorwaltet. 
In beiden Fällen erfolgt eine schädliche Wirkung. Das Gas im Ueber- 
schuss vorhanden würde nicht allein unverbrannt entweichen, sondern 
auch die farbige Glasur und die unter der Glasur befindlichen Farben 
wesentlich beeinträchtigen; Kobaltoxyd zum Beispiel wird in diesem 
Falle sehr leicht reducirt. Die Luft dagegen übt, wenn sie nicht 
völlig zur Verbrennung verbraucht wird, einen höchst nachthei 
ligen Einfluss auf das weisse Porzellan aus, welches alsdann gelb und 
pockig wird. Die Mischung von Gas und Luft darf andererseits vor 
ihrem Eintritt in den Ofen nicht schon zu innig sein, damit die Flamme 
nicht ^uf die den Einströmungsöffnungen zunächst gelegenen Gegen 
stände zu heftig wirkt, sondern sie muss so dirigirt werden, dass 
sämmtliche Theile der Kammer ein gleichmässiges Feuer erhalten, und 
nicht schon bereits gargebranntes Geschirr durch zu langes Erhitzen 
unansehnlich wird. Ein grosser Theil der Schwierigkeiten, welche sich 
der Gasfeuerung entgegenstellten, sind bereits überwunden. Die ge 
wonnenen Erfahrungen werden weiter helfen! 
In Betreff der Decoration des Porzellans hat die Industrie in den 
letzten zehn Jahren manches Neue aufzuweisen, und wenn auch der 
Ruhm hierfür zum grossen Theil der Kunst gebührt, so hat doch auch 
die Chemie einen nicht unerheblichen An theil daran. Die Fortschritte, 
welche die Chemie in dieser Richtung macht, werden aber leider selten 
sofort Gemeingut, sondern bleiben meistens möglichst lange Fabrik- 
geheimniss, zumal die Darstellung der Emaillefarben sich immer mehr 
von der Porzellanindustrie zu trennen strebt und fast einen Industrie 
zweig für sich bildet. 
Vorschriften für Porzeilandecorationen, besonders für eine grosse 
Anzahl von Schmelzfarben sind zwar auch in neuerer Zeit wiederholt 
veröffentlicht worden; es finden sich darunter auch manche, welche mit 
Dank aufzunehmen sind, ein grosser Theil aber ist veraltet oder wenig 
vertrauenswürdig, und die Auswahl der guten Recepte von den schlech 
ten oft schwer. Die Abhandlungen über Porzeilandecoration von Sal- 
vetat, welche im Complement de la troisieme Edition du Dictionnaire 
des Arts et Manufactures von Ch. Laboulaye (Paris 1868) veröffent 
licht sind, wurden deshalb mit Freude begrüsst. Sie sind, um sie in 
Deutschland allgemeiner zugänglich zu machen, vom k. k. österrei 
chischen Museum für Kunst und Industrie ins Deutsche übersetzt und 
herausgegeben worden. 
Salvetat unterscheidet, wie auch in seinen Legons de Ceramique, 
folgende sechs Gruppen der Decoration für Thonwaaren:
	        
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